Geschichte & Persönlichkeiten

Ortsgeschichte

Vor-/Frühgeschichte

„Das Dorf, das Pullach genannt wird…“, („villa dicitur Puoloch“) wird erstmals in einer Urkunde vom 08. August 806 [1] erwähnt. Darin nennt Bischof und Abt Petto von Schäftlarn hier gelegenen Grundbesitz, der dem Kloster Schäftlarn überschrieben wurde: „Felder, Wiesen, Wälder, Obstgärten, stehende und fließende Gewässer, Ausgänge und Eingänge, besät[es] und unbesät[es] [Land]“, das vorher einem Folker und dessen Sohn Milo gehört habe. Eine früher zu datierende Urkunde vom 29. März 806, in der es um eine Schenkung von Waldbesitz an das Kloster Schäftlarn geht, kann dagegen nicht sicher auf Pullach bezogen werden.

Schenkung von Besitz an Kloster Schäftlarn in villa, quae dicitur Hachinga sowie in villa, quae dicitur Puoloch, 08. August 806

Früher urkundlich erwähnt wird jedoch Großhesselohe, heute Ortsteil von Pullach. In einer Urkunde Herzog Tassilos III aus dem Jahr 776 [2] ist belegt, dass das Landgut Hesinloh an das Kloster Schäftlarn gegeben wurde.

776: Herzog Tassilo III überschreibt das Gut Hesinloh dem Kloster Schäftlarn

Besiedelt war die Gegend um die heutige Gemeinde jedoch bereits viel früher, was archäologische Fundplätze des Pullacher Isartalabschnitts beweisen. Durch Grabungen, die zum Teil bereits in den 1880er Jahren begannen [3, 4], wurden Hockergräber aus der Zeit um 2000 v. Christus, Siedlungen der Bronzezeit (1800 – 1400 v. Chr.) und Grabfunde der sog. Urnenfelderleute (ab 1300 vor Christus) nachgewiesen. Die weithin bekannten Pullacher Fürstengräber (zwischen Pullach und Höllriegelskreuth, am Isarhochufer gelegen), die der Hallstattzeit zugerechnet werden, zeigen Grablagen eines wohlhabenden Geschlechtes mit umfangreichen Beigaben (Kultwagen, Pferdegeschirre, Schwerter, Lanzenspitzen, Bronzeschmuck und zahlreiche bunte Gefäße). Ebenfalls in die vorrömische Eisenzeit, die keltische Siedlungszeit (Hallstatt- und Latènezeit) fällt ein Eisenbarrenfund, der bei Pullach entdeckt wurde.

Rekonstruktion des geöffneten Hügelgrabes (Fürstengrab) auf der Isarhochleite in Höllriegelskreuth

Unter römischer Herrschaft erfuhr der hiesige Isarabschnitt durch den Bau einer Militärstraße (später Via Julia genannt) Aufwertung. Diese verlief von Günzburg und Augsburg nach Salzburg und querte, von Gilching kommend, bei Buchenhain die Isar. Die Straße war ein wichtiger „Standortfaktor“ für die Bedeutung, die man den Felsplateaus der heutigen Orte Grünwald und Pullach zumaß.

Puoloch wird seine Ursprünge u.U. im 5./6. Jahrhundert gehabt haben. Der Fund von zahlreichem Holzwerkzeug in der Isar deutet auf einen frühmittelalterlichen Holzbrückenbau bei Pullach hin. Es scheint in der frühmittelalterlichen Wald- und Holzwirtschaft der Region seine Bedeutung gehabt zu haben. Der Ortsname Puoloch hat wahrscheinlich die Bedeutung: Buchenwald.

1 Vgl. Die Traditionen des Klosters Schäftlarn (Quellen und Erörterungen zur bayer. Geschichte), Weissthanner Alois (Ed.), NF X/1, 1953, S. 31. F, Transskription Fol. 5

2 Desgl.: Neue Folge, Bd. 10/1, München, 1953, Transkription Fol. 20

3 G. Kossack, Südbayern während der Hallstattzeit. Römisch-Germanische Forschungen 24 (Berlin 1959)

4 Julius Naue, Die Hügelgräber mit dem Fürstengrabe bei Pullach (München), Beiträge zur Anthropologie und Urgeschichte Bayerns (Münchner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte), München, 1877

Mittelalter

Der Isarübergang bei Puoloch dagegen scheint im späten Mittelalter bereits weniger interessant gewesen zu sein, wie das Ausbleiben entsprechender Funde nahelegt.

Der Ortsname war seit dem frühen Mittelalter zahlreichen Lautwandlungen unterworfen; bekundet sind: neben Puoloch auch Poaloh, Buoloch, Pohloh, Puelach.

1040: Übergabe von Brücke und Staüelplatz bei Pullach durch Bischof Nitker von Freising an das Kloster Schäftlarn 

Die gefährliche alte Furt mit dem vorhandenen Stapelplatz für Transportgut („pons ac portum“) wird durch eine Urkunde Bischof Nitkers von Freising aus dem Jahr 1040 erwähnt [5]. Sie wird darin zusammen mit weiterem Grundbesitz dem Kloster Schäftlarn übertragen [6]. Der für die Entwicklung des hiesigen Isarabschnitts wichtige Burgplatz des späteren Grünwald wird seinerzeit bereits im Besitz der Bischöfe von Freising gewesen sein, ebenso wie weiteres Gebiet beidseits der Isar.

Der Geländevorsprung über die Isar dürfte beim heutigen Grünwald seinerzeit wesentlich größer gewesen sein. Etwa 400 Meter südöstlich der Burg befand sich der Mittelpunkt des Dorfes Derblfing, das noch 1272 mit dem Dorfnamen Derboluingen bezeichnet, 1288 dann erstmals in einer Urkunde Grünwald genannt wird.

In der Isar bei Pullach gefundene frühmittelalterliche Bartäxte

Grünwald galt seinerzeit als „castrum magnificum“, als Mittelpunkt des örtlichen Herrschaftsabschnitt des Bistums Freising bzw. der Wittelsbacher, die die Macht von den Andechsern mehr und mehr übernommen und schließlich auch die Herren von Baierbrunn in ihre Dienste gestellt hatten. Die Burg Baierbrunn wurde 1238 durch die Wittelsbacher zerstört.

Burg Grünwald, erbaut von Herzog Ludwig dem Strengen, 1294, Ansicht 1585

In Pullach hatten die Baierbrunner wie überall in ihrem Herrschaftsbereich die Gerichtsrechte inne, zudem besaßen sie hier drei Höfe, einen weiteren in Großhesselohe. Dieser wurde 1301 von Konrad von Baierbrunn an das Heilig-Geist-Spital in München überschrieben. Ein weiterer Hof, Warnberg, wurde 1310 durch die Baierbunner Herren an das Kloster Schäftlarn übertragen.

Im Laufe des 14. Jahrhunderts haben immer wieder die Erbkämpfe der Wittelsbacher Besitzstrukturen und Landesverwaltung erschüttert. Die Burg Baierbrunn und die zugehörigen Besitzungen wurden nach dem Tod des letzten Baierbrunners anderweitig vererbt, zu einem Teil veräußert und zu einem weiteren Teil umkämpft bzw. gerichtlich umfochten. Die Burg Baierbrunn wurde im Zuge dieser Auseinandersetzungen 1421 erobert und abgebrochen. 1451 mussten die Baierbrunner und die Bewohner der zugehörigen Besitzungen dem Herzog von Bayern-München, Albrecht III., huldigen.

Isartal von Pullach bis Kloster Schäftlarn, Ausschnitt aus den „Landtafeln“ von Philipp Apian, 1568

In Pullach veränderten sich die Besitzverhältnisse: einige Münchner Kaufleute wurden nun als Grundbesitzer geführt. In den amtlichen Registern, die Weiderechte verzeichnen, sind zudem die Namen von 10 Bauern genannt (1428) [7]. Eine Hufe im Dorf gehörte dem Herzog, der diese zeitweise den Klöstern Andechs bzw. Benediktbeuern überließ.

Der Bau der Dorfkirche in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, die unter das Patrozinium des Heiligen Geistes gestellt wurde, zeigt die neuen Besitz- und Machtstrukturen in Pullach deutlich [8]: Auf dem Innengewölbe des Kirchengebäudes werden die Wittelsbacher, die Stadt München und die Familie der Pötschner, Patrizier aus München, geehrt.

Die Ehrungen der Wittelsbacher, der Stadt München und der Pötschner im Gewölbe der Kirche

5 Die Traditionen des Klosters Schäftlarn (Ed. Weissthanner)

6 Ludwig Wamser, „Apud Puoloch“ – Dokumentarisches zum Histoprischen Umfeld Pullachs im frühen und hohen Mittelalter, in: 1200 Jahre Pullach, 8006 – 2006 (Pullacher Schriftenreihe, Band 3, S. 258 ff.)

7 Aenne Atzenbeck, Die Ortsgeschichte der Gemeinde Pullach i. Isartal von ihren Anfängen bis zur Jahrhundertwende (Pullacher Scjriftenreihe, Band 1), Pullach 2003

8 Daniel Rimsl, Alte Heilig-Geist-Kirche und Dreifaltigkeitskapelle. Zwei Pullacher Kirchengebäude mit Münchner Geschichte (Pullacher Schriftenreihe, Band 12)

17./18. Jahrhundert: Betroffenheit durch Krieg, Zerstörung und Plünderungen

Einen tiefen Einschnitt in die Geschichte des Landes und der Region bedeutete der Dreißigjährige Krieg, der mit dem Einzug des Schwedenkönigs Gustav Adolf am 17.Mai 1632 Tod und Verwüstung mit sich brachte. In Pullach brannten nahezu alle Höfe ab. Allein die Kirche blieb erhalten. Ringsum im Isartal wurden Städte, Klöster, Dörfer und Güter zerstört, auch Schäftlarn und das Dorf Baierbrunn. Der Tod großer Teile der Bevölkerung, das Wüten von Seuchen, v.a. der Pest, Plünderungen, eine unerträgliche Steuerlast sowie Wolfs- und Wildschweinplagen führten neben den Zerstörungen dazu, dass weite Teile des Landes wüst und unbebaut blieben, wirtschaftlich vollständig verfielen.

Einzug König Gustav Adolfs von Schweden in München, 1632, Stich Merian

Der Grundbesitz in Pullach konzentrierte sich nach dem Krieg, wie Abgabenlisten zeigen, zunehmend auf den Adel (Haus Wittelsbach), die Klöster (Kloster Beuerberg, Angerkloster München, Jesuitenorden; St. Johann zu Freising), die Kirchengemeinden (Pfarrer von Sendling, Kirche in Pullach, Kirche in Solln), das Heilig-Geist-Spital München und auf eine Person, die am Krieg in besonderer Weise verdient hatte: den Münchner Bürger Kaspar Häckhl, der vielerorts Grundbesitz, Höfe und Güter erworben hatte. [9]

Immerhin konnte in der zweiten Hälfte des 17.Jahrhunderts eine mühsame Erholung einsetzen.

Einige Jahrzehnte später, zu Beginn des 18. Jahrhunderts, kam im Zuge des Spanischen Erbfolgekriegs (1701 – 1714) wiederum Kriegsnot über das Land, das sich mit Frankreich gegen Kaiser Leopold I und das Reich verbündet hatte. Der Durchzug von Truppen (französische und später kaiserliche), Heerlager, Niederlagen und die schließlich strenge kaiserliche Besetzung und Verwaltung führte zum Aufstand vor allem der Isarwinkler und Loisachtaler Bauern, die in der Sendlinger Mordweihnacht in großer Zahl, wahrscheinlich 5.000 Mann, ihr Leben verloren, darunter ein Bauer aus Pullach [10].

Der Sendlinger Bauernaufstand am Hl. Abend1705, Lithographie, P. Elmer (1785 – 1873)

Der immer wieder erfolgte Durchzug von Truppen und die Verpflichtung zur Verpflegung und zur Duldung von Heerlagern war seit Ende des 15. Jahrhunderts nicht zuletzt eine Folge des Ausbaus des „Saumpfades am Kesselberg“ zu einer Straße (1492). Von österreichischer Seite ergab sich durch diese Verbindung ein leichter Weg in das bayerische Oberland.

Der Bayerische Erbfolgekrieg (1778 – 1779), der nach Erlöschen der bayerischen Linie der Wittelsbacher 1777drohte, führte aber glücklicherweise nicht zu ausgeprägten Kriegshandlungen mit Österreich.

Die durch die Französische Revolution ausgelösten Koalitions- oder Revolutionskriege (ab 1792) brachten der Bevölkerung des Isartals die vermutlich größten Nöte und Verpflichtungen seit langer Zeit. Vor allem in den Jahren 1796 - 1801 folgte ein Truppendurchzug auf den anderen: v. a. Truppen des Prinzen Condé, französische, österreichische und russische Truppen. Zahlreiche Höfe in Pullach verarmten wegen der Last an Naturalabgaben und Steuern fast vollständig.

9 Aenne Atzenbeck, S. 24

10 Aenne Atzenbeck, S. 28 - 30

Die Entwicklung im 19. Jahrhundert

1803 hatte Pullach 21 Häuser, 1 Kirche und eine Schmiede, Hesselohe bestand lt. Statistischen Berichten nur aus Schwaige/Gut und Kapelle. Mit der Säkularisation (1803) waren die drei Bauern, die auf klösterlichem Besitz wirtschafteten, „auszupflichten“, d.h. deren Verpflichtungen wurden an das Landgericht bzw. Cameralamt Wolfratshausen übertragen.

Früher Katasterplan von Pullach, „Uraufnahme“, 1809

Für das ungleich größere Grünwald wurden in diesen Berichten das Schloß, 55 Häuser, Kirche, Wirt und Schmiede aufgeführt. [11]

Bis zu Beginn der 1820er Jahre sank die Zahl der Haushalte in Pullach leicht (18 Häuser und 119 Einwohner), stieg aber ab den 1840er Jahren wieder an. (24 Haushalte). In dieser Zeit wurden erste Teile der Burg Schwaneck durch Ludwig von Schwanthaler errichtet.

Anfang der 1840er Jahre erwarb der Steinmetzmeister, Franz Höllriegel, der vielfach vom königlichen Hof beauftragt wurde, den Sedlmayer-Hof in Pullach, der etwa 60 Hektar umfasste. Mit weiteren Grundstücken in der Gemarkung Forstenrieder Park und Baierbrunn verfügte er über Flächen von 113 Hektar, die entlang der Isar größere Vorkommen von Nagelfluh aufwiesen. Hier begann er mit zeitweise über 100 Arbeitern den Abbau des Steins.

Franz Höllriegel, 1794 - 1858

Franz Höllriegel errichtete auf seinem Grund und Boden zudem einen englischen Landschaftsgarten, der große Beachtung verdient. [12]

11 Von Hazzi, Joseph, Statistische Aufschlüsse über das Herzogtum Baiern, Nürnberg 1808

12 Lea M. Heinz, Der Höllriegel-Park in Pullach. Die Wiederentdeckung eines Landschaftsgartens aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Historische Analysen und Entwurf für das 21. Jahrhundert“, Diplomarbeit; veröffentlicht in: In: Bayerischer Landesverband für Heimatpflege e.V.: „Schönere Heimat“, 2005 Heft 1.; und: Pullacher Schriftenreihe, Band 3, S. 291 ff.

Eisenbahnbau und Industrialisierung

Feierlichkeiten zur Streckeneröffnung am Salzburger Bahnhof, 1860

Der Eisenbahnbau: Bahnstrecke München-Salzburg

Feierlichkeiten zur Streckeneröffnung am Salzburger Bahnhof, 1860

Der Bau der Eisenbahnstrecke München-Salzburg wurde zu Beginn der 1850er Jahre begonnen. Diese wurde an Pullach vorbei über die Großhesseloher Brücke, eine architektonische Ausnahmeerscheinung [13] dieser Zeit, über die Isar geführt. In Pullach entstand im Zuge des Baus der großen Ziegelbrücke eigens die Paul Eckhardtsche Ziegelfabrik (1850), später: Ziegelfabrik Adolf Wenz, 1873 – 1914), die mit der Produktion sogenannter Wenz-Gehwegplatten jahrzehntelang großen wirtschaftlichen Erfolg und Bekanntheit genoss.

Die Bahnlinie wurde durch den Staatsvertrag vom 21.06.1851 zwischen Österreich und Bayern beschlossen. Die Finanzierung sollte durch den München-Rosenheim-Salzburger-Eisenbahn-Verein erfolgen, der 1850 gegründet wurde, allerdings bald überfordert war. Ab 1852 erfolgte die weitere Finanzierung auf Staatskosten. 1854 wurde der Streckenabschnitt München-Großhesselohe eröffnet, 1856 folgte die Eröffnung bis Rosenheim und 1860 bis Salzburg. Am 01.08.1960 erfolgte die Eröffnung der gesamten Strecke unter Anwesenheit König Maximilians II. und Kaiser Franz Joseph in München und Salzburg.

Isartalbahn:

Die Lokalbahnaktiengesellschaft München (LAG), die zwischen 1888 und 1898 zahlreiche Bahnlinien in ganz Deutschland, Österreich und Ungarn errichtete, begann im Mai 1890 mit den Bauarbeiten an der Isartalbahn. Bis 1895 wurden die Abschnitte Thalkirchen – Ebenhausen, Ebenhausen – Wolfratshausen und München-Isartalbahnhof – Thalkirchen fertiggestellt. 1896 wurde beschlossen, die Strecke über Beuerberg bis Bichl zu verlängern, was die Gesamtlänge auf 51 Km wachsen ließ.

Für den Pendel- und Ausflugsverkehr von und nach München unerlässlich, hatte die Bahn große Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung des Isar- und Loisachtals sowie für das Entstehen von Ansiedlungen. Dennoch litt die Bahn bereits zwei Jahrzehnte nach ihrer Gründung unter mangelnder Profitabilität, was vor allem auf den nicht ausreichenden Gütertransport zurückzuführen war. 1938 erfolgte daher die Verstaatlichung, um den Betrieb noch weiter aufrecht zu erhalten. Im fortdauernden Kampf um eine bessere Rentabilität folgte zwischen 1950 und 1964 die Stilllegung von Teilstrecken, bis 1972 die Strecke Großhesselohe – Wolfratshausen der Münchner S-Bahn eingegliedert wurde. Die Teilstrecke bis Thalkirchen wurde stillgelegt.

Triebzüge der Baureihe 420 am 31.. 08.1982 in Großhesselohe; Von Dr Neil Clifton (CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8717494)

Bad Pullach:

Aus einer Kalkbrennerei an der Isar (1809 gegründet, ab 1858: Zementfabrik der Gebrüder Assn), wie es sie in Pullach bereits im 18. Jahrhundert häufiger gab, entstand eine „Badeanstalt für Dusch- und Wannenbäder“, die zunächst von Carl Assn betrieben wurde. 1891 erwarb der Baumeister Anton Fürschinger aus Thalkirchen den Besitz und errichtete 1892 das „Naturheilbad Pullach“, Bad Pullach genannt. Es wurde eine Reihe von Gebäuden errichtet, darunter solche zur Unterbringung der Kurgäste und für eine Gastronomie, die heute noch stehen. Ihren Status als denkmalgeschützte Objekte haben sie zum Teil verloren. Zwei Entwicklungen führten aber zu einem raschen Ende der Kuranstalt, die zeitweise gut floriert hatte: Immer wieder auftretende Hochwasser, v.a. das Jahrhunderthochwasser von 1900, nach dem eine Restaurierung kaum mehr möglich und sinnvoll erschien. Und: die Errichtung der Isarwerke GmbH in unmittelbarer Nähe.

Bad Pullach mit Villa von Carl Assn, 1900, StAM, Bpl. München B, Pullach

Bad Pullach von Südosten, Postkarte, 1900

Isarwerke GmbH:

Die Erbauung ersten Wasserkraftwerks in Pullach, des Wasserkraftwerks Höllriegelskreuth, erfolgte während der Jahre 1889 – 1894. Finanziert wurde es vor allem durch Jakob Heilmann (1846 – 1927) und den Bankier Wilhelm von Finck (1848 – 1927). Die Betreibergesellschaft wurde unter dem Namen Isarwerke GmbH am 31.10.1894 in das Handelsregister eingetragen. Das Kraftwerk konnte v.a. wegen der Gefahr von Hochwasser nicht das Wasser des Flusses auf seiner ganzen Breite nutzen, es musste vielmehr an einen Kanal angeschlossen werden, der durch Schleusen reguliert wurde. Dieser wurde ab Anfang der 1890er Jahre parallel zur Isar errichtet und hatte eine Länge von 12 Km.

Wasserkraftwerk Höllriegelskreuth, Gemeindearchiv Pullach

Der Stromabsatz war für die umliegenden Gemeinden und geplante Industriegebiete in Obersendling und Großhesselohe vorgesehen. Bald profitierten davon auch die Industriebetriebe Linde und die Elektrochemischen Werke München (EWM), die sich um die Jahrhundertwende in Höllriegelskreuth ansiedelten. In den 1940er Jahren wurde das Kraftwerk modernisiert und ausgebaut. Es wurden Dampfturbinen installiert, die mit Kohle zu befeuern waren. Der Ausbau wurde im Wesentlichen von französischen Kriegsgefangenen ausgeführt. Für das Heizen der Turbinen wurden 1944/45 Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau eingesetzt.

Ein zweites Kraftwerk, das Laufwasserkraftwerk Pullach, wurde im Jahr 1900 unterhalb des Dorfkernes an der Isar errichtet. Dies firmierte als „Kraftzentrale II“ der Isarwerke GmbH. 1904 wurde es durch eine zweite Ausbaustufe erweitert, die zusätzlich 4000 PS lieferte. Trotz hochmoderner Technik erinnerte der Baustil an ein neoromanisches Gebäude. Der zinnenbewehrte Turm daneben unterstrich diesen Eindruck.

Kraftzentrale II, Baujahr 1900/1904, Gemeindearchiv Pullach

Das Laufwasserkraftwerk wurde in weiteren Ausbaustufen 1907 bzw. 1912 durch einen Dampfturbinensatz ergänzt. 1940 wurde es durch ein inzwischen fertiggestelltes, neues Kraftwerk an gleicher Stelle ersetzt, das seine Leistung hauptsächlich durch Turbinen erhielt, die mit Kohle/Dampf betrieben wurden. Der Turm, der noch stand, wurde jedoch durch Bomben zerstört.

Neues Kraftwerk Pullach, erbaut 1940, Gemeindearchiv Pullach

Das Kraftwerk wurde 1970 stillgelegt und 1977 zum Teil abgerissen.

Kanalbau an der Schleuse Großhesselohe, Aufnahme vom 03.04.907, Gemeindearchiv Pullach

Betreiberin ist heute die Uniper Kraftwerke GmbH (vorher E.ON Wasserkraft).

Industrialisierung: Linde [14]:

Als sich Carl von Linde (1842 – 1934) um die Jahrhundertwende entschloss, in Höllriegelskreuth eine Produktionsstätte für Luftverflüssigung und -Zerlegung zu errichten, gab es dort wichtige Standortvorteile, eine gute Versorgung mit elektrischer Energie durch das neu errichtete Kraftwerk und eine Bahnverbindung nach München.

Bürogebäude Höllriegelskreuth, 1907

Carl von Linde, der in den Jahren 1873 – 1874 die erste Kompressions-Kältemaschine entwickelt und damit den Grundstein für die industrielle Kältetechnik gelegt hatte, verfügte seit 1895 über ein Patent zur Luftverflüssigung. Über ein Rektifikationsverfahren war er bald in der Lage, reinen Sauerstoff herzustellen (1902) und verschiedene Edelgase zu produzieren. Die Produktion von „technischen Gasen“ wurde zum einen Standbein des Betriebs, der Bau von Anlagen und Apparaturen zur Trennung von Gasgemischen zu einem anderen.

Werkstatt und Bürogebäude, Höllriegelskreuth, 1901

Heute ist die Linde AG einer der weltweit größten Anbieter von Industriegasen und ein bedeutender Anbieter von Anlagen der chemischen Industrie. Sie fusionierte 2018 mit der ebenfalls von Carl von Linde gegründeten Praxair.Inc. (ursprünglich Linde Air Products in Danbury Connecticut).

Elektrochemische Werke [15]:

Ebenfalls wegen der guten Standortbedingungen wählten die Ingenieure Dr. Gustav Adolph (1876 – 1953) und Dr. Albert Pietzsch (1874 – 1957) 1911 den Standort Höllriegelskreuth für den Aufbau einer Anlage zur Produktion von Wasserstoffperoxid, die Elektrochemischen Werke München AG (EWM). 1909 hatten beide ein Patent zur Herstellung von Wasserstoffperoxid erhalten. Zur EWM wurden in den 1930er Jahren einige Standorte hinzugewonnen, so in Bad Lauterberg (Harz) und Gersthofen. In dieser Zeit erhielt sie den Auftrag zur Erstellung von Produktionsanlagen für hochkonzentriertes Wasserstoffperoxid, das als oxidierende Komponente für Raketentreibstoff genutzt werden sollte. Die Firma wurde zu einem bedeutenden Rüstungsbetrieb.

Elektrochemische Werke München, ca. 1913, Gemeindearchiv Pullach

Nach dem Krieg nahm Pietzsch die Produktion wieder auf und führte diese bis 1955 weiter. 1961 wurde der britische Konzern Laporte Eigentümer und nannte die Pullacher Produktionsstätte „Peroxid-Chemie“.

2001 erfolgte die Übernahme durch Degussa und die Umbenennung in Degussa Initiators. Seit 2020 gehört die Wasserstoff-Anlage zu Evonik Industries in Prince George, Britisch-Kolumbien.

13 Armin Franzke: Großhesseloher Brücke, Isarquerung der Eisenbahn und Anschluss an die Moderne (Pullacher Schriftenreihe, Band 11, Pullach 2023)

14 Carl Linde, Aus meinem Leben und von meiner Arbeit (Neudruck, hrsg. Von Lisa Berger, Volker Gerndt und Werner Jakobsmeier), 2014; Florian Beierl, Carl von Linde. Erfinder, Unternehmer und Tourismuspionier am Obersalzberg. Essen, 2012); Unternehmensgeschichte | Linde Gas Deutschland

15 United Initiators, Pulllach (Homepage: Geschichte | United Initiators)

Begehrte Vorortsiedlung

In den Jahrzehnten, in denen Eisenbahn-, Kraftwerksbau, und die Ansiedlung von Industriebetrieben erfolgte, wuchs die Bevölkerungszahl Pullachs beständig. Vor allem die Kriegs- und unmittelbare Nachkriegszeit ließen die Einwohnerzahlen explodieren: Der Arbeitskräftebedarf der Industrie, Rüstung und Militärdienst, das Heranführen großer Zahlen an Zwangsarbeitern,, die Fluchtbewegungen gegen Ende des Krieges und das Ankommen Wohnungsloser aus dem zerbombten München und anderen Regionen Deutschlands bewirkten dies.

1877: 225 Einwohner
1897: 295 Einwohner
190: 590 Einwohner
1927: 1436 Einwohner
1937: 2764 Einwohner
1947: 5702 Einwohner
1980: 7940 Einwohner

Villenkolonie Großhesselohe, Prospekt, 1920

Das um die Jahrhundertwende einsetzende Bevölkerungswachstum ging mit der sukzessiven Erweiterung des alten Dorfkernes um weitere Straßenzüge einher, die parallel und verbindend zur alten Dorfstraße, der heutigen Habenschadenstraße, verliefen. Die heutige Johann-Bader-, Gistl-, Kagerbauer-, Jaiser, Garten-, Schwanthaler- und Bahnhofstraße entstanden in dieser Zeit.

Mit der Aufsiedelung der Flächen des alten Gutes Großhesselohe, der Begründung der Villenkolonie Großhesselohe um die Jahrhundertwende bis in die 1930er Jahre, erhielt ein Teil des Dorfes neue Siedlungsflächen.

Prospekt, 1927

Beispiel, Holzbau: Haus „Brigitte“, Parkstraße 29, Baujahr 1926

Ähnliches geschah auch im Süden des Dorfes zwischen Ortsmitte und Höllriegelskreuth auf Flächen des Baierbrunner Feldes, das zum Seitnerhof in Pullach gehörte. Zum Ortsteil Höllriegelskreuth hin entstanden bereits unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg erste Wohnhäuser, in den Jahren ab 1938 die „Linde-Stammarbeitersiedlung“ an der Gistlstraße. Größere Flächen des Baierbrunner Feldes (ca. 25 Hektar) waren bereits um die Jahrhundertwende von der Heilmannschen Immobiliengesellschaft aufgekauft worden. Für diese Flächen (zwischen heutiger Jaiserstraße und Birkenallee gelegen) entstanden zu Beginn der 1920er Jahre Pläne für eine Gartenstadt [16], die von Richard Riemerschmid (1868 – 1957) in Zusammenarbeit mit den Holzbauunternehmern Moritz Kowalski (1888 – 1965) und Fritz Glasser (1884 – 1959) stammten. Diese sollte aus Holzhäusern errichtet werden, was in den Jahren 1925 – 1928 im Wesentlichen auch geschah. Der Absatz von Flächen für solche Häuser lief jedoch nicht besonders erfolgreich, wozu auch die Wirtschaftskrise am Ende der 1920er Jahre beigetragen haben mag. Von 180 zunächst projektierten Hausbauten waren bis 1930/31 nur 35 realisiert. Die Festlegung der Bebauung auf Holzhäuser wich in den folgenden Jahren, zudem schaltete sich die Bausparkasse „Gemeinschaft der Freunde“ aus Ludwigsburg mit ihren erschwinglichen Finanzierungskonzepten ein. In den Jahren 1935 bis 1937 wurden 100 Parzellen zur Bebauung verkauft.

Die Bebauung von weiteren Flächen der „Seitnerfelder“ erfolgte in den 1990er Jahren.

Die Gemeinde Pullach begann bereits 1949 den Wohnungsbau. Bis heute sind 565 Wohnungen entstanden.

16 A. Bahl-Benker, Künstleridee und Geschäftsmodell. Die Gartenstadt Pullach, Pullach 2022 (Pullacher Schriftenreihe, Band 10)

Kultur

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs das Interesse der Münchner Künstler an Pullach, angeregt durch den Bau der Burg Schwaneck durch Ludwig von Schwanthaler (1802 – 1848) und Friedrich von Gärtner (1791 – 1841), die Aufenthalte des Malers Sebastian Habenschadens (1813 – 1868) und die Künstler-Gesellschaften „Allotria“ und „Die sieben Raben“, die auf Burg Schwaneck gegründet wurden.

Sebastian Habenschaden (1813 – 1868)

Die Künstlerfeste in Pullach galten als „Sammelpunkte der Satire und des Humors, des Geschmacks und der künstlerischen Improvisation“ (Fanz Wolter, 1865 – 1932). Nach Sebastian Habenschaden war das berühmte Café Habenschaden benannt. Die Habenschadenfeiern wurden nach 1868 alljährlich aus dem Erbvermögen, das der Künstlerunterstützungsverein aus dem Nachlass Habenschadens erhalten hatte, ausgerichtet. Der Rabenwirt war nach der Gesellschaft „Die sieben Raben“ benannt.

Burg Schwaneck, Burgstall, 1845

Das Maifest der Münchner Künstler (1855), das Künstler-Waldfest (1879) und die Habenschadenfeier des Jahres 1894 sind seinerzeit vielbeachtete Künstlerfeste gewesen.

Carl Sternheim

Eine weitere künstlerische Spur hinterließ der Schriftsteller Carl Sternheim (1878 – 1942), der für sich und seine Ehefrau Thea, geb. Bauer (1883 – 1971) 1907/08 das Schloß Bellemaison, ein zweiflügliges Gebäude im Stil Ludwigs des XVI. errichten ließ [17]. Hier schuf Sternheim drei Stücke aus der Dramenserie „Aus dem bürgerlichen Heldenleben“. Hier unterhielten die Sternheims einen gesellschaftlichen Treffpunkt ersten Ranges. Eheliche und finanzielle Probleme und die Unzufriedenheit mit industriellen Ansiedlungen in Pullach und dem wachsenden Tourismus führten bald zum Verkauf des Anwesens.

Bellemaison, ca. 1908, Gemeindearchiv Pullach

Karl Wilhelm Diefenbach

Karl Wilhelm Diefenbach, Maler und „Lebensreformer“ (1851 – 1913) hatte ab Mitte der 1880er Jahre ebenfalls mit seiner Familie und Freunden seinen „Wohnsitz“ in Pullach genommen. Er bewohnte eine Bauhütte in den Höllriegelskreuther Steinbrüchen, die Franz Höllriegel begründet hatte. Seine „naturgemäße Lebensweise“, die er in der „Einöde Höllriegelskreuth“ jahrelang pflegte, brachten ihm zwar den Spottnamen „Kohlrabiapostel“ ein, ließen seinen Bekanntheitssgrad und das Interesse an seiner Person und seinem Werk aber eher wachsen. Schließlich ermöglichte der neue Eigentümer der früheren Höllriegelskreuther Steinbruch-Liegenschaften, Jakob Heilmann (1846 – 1927), ihm sogar Ausstellungen in München. Diefenbach zog 1889 aus Pullach weg, lebte zeitweise in Wien, Triest und Kairo und starb 1913 auf Capri.

Berchmannskolleg, Postkarte, 1935

Das Dorf Pullach zeigte sich im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts immer wieder als Ort, der bedeutende Entwicklungen relativ früh widerspiegelte: Der Anschluss an zwei Eisenbahnlinien, die frühe und relativ intensive Industrialisierung, die Entwicklung zu einem (Villen-)Vorort von München und die Bedeutung als kultureller und touristischer Anziehungspunkt. Besondere überregionale Bedeutung hatten zudem einige Institutionen, die in Pullach ihren Sitz fanden: Das Berchmanskolleg, als Hochschule des Jesuitenordens, die 1925 ihren Lehrbetrieb einem großen, repräsentativen und in den Jahren 1924/25 erbauten Gebäudekomplex aufnahm und bis Ende der 1960er Jahre hier Bestand hatte. Außerdem hatte seit dem 01.11.1960 das Prediger- und Studienseminar der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), eine wichtige Ausbildungsstätte für angehende evangelische Theologen, seinen Standort in Pullach.

Studienseminar der VELKD

17 Michael Davidis, Bellemaison – eine Dichterresidenz im Zeitalter der Extreme (Band 7, Pullacher Schriftenreihe), Pullach 2017

Fremdenverkehr

Gleichzeitig war Pullach mit den entstandenen Bahnverbindungen zu einem Ort der Naherholung geworden. Vor allem der „Vergnügungsort Großhesselohe“ zog Jahr für Jahr Zehntausende Gäste an.

Großhesselohe, um 1850, Gemeindearchiv Pullach

Am Isarhochufer des Dorfkernes hatte die einzige Gastwirtschaft, der spätere Rabenwirt, seit Mitte des 19. Jahrhunderts eine volle Konzession (Ausschank und Bewirtung, die amtlicherseits bisher nie zugelassen worden war).

Rabenwirt, um 1910, Postkarte

Hinter diesem wurden 1907/08 die Bürgerbräuterrassen durch die Münchner Bürgerbräu AG errichtet. Das Gasthaus "Zum Isarthal", von Karl Moralt wurde in dieser Zeit geschlossen. An den Bahnhöfen Großhesselohe und Höllriegelskreuth gab es weitere Gastwirtschaften, die Bahnhofswirtschaft Großhesselohe und die Bahnhofsgaststätte Höllriegelskreuth. In Höllriegelskreuth gab es in den 1920er Jahren zudem das Café Bittmann, in Höllriegelskreuth das Café Waldeck an der Isarhochleite.

Bürgerbräu Pullach, um 1912, Gemeindearchiv Pullach

Der Brückenwirt in Höllriegelskreuth bestand bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Das Gebäude war Mitte des 19. Jahrhunderts als Unterbringung für dutzende Arbeiter des Höllriegelschen Areals errichtet worden.

Nationalsozialismus und Krieg

Leider musste Pullach während der Zeit des Nationalsozialismus (1933 – 1945) eine Rolle einnehmen, die von Seiten der Machthaber zugeschrieben worden war: Hier sollte zeitgleich zum Umbau des Berghofs in Berchtesgaden zum „Führersperrgebiet“ eine Wohnanlage für den Stab von Rudolf Heß (1894 – 1987), „Stellvertreter des Führers“, erbaut werden. die als „Reichssiedlung Rudolf Heß“, „Stabsleitersiedlung“, „Bormann-Siedlung“ oder auch „Sonnenwinkel“ bezeichnet wurde [18]. Es wurde geplant, die Siedlung, die bereits 1938 im Zuge des „Münchner Abkommens“ als Quartier Hitlers eine Rolle spielte, zu einem „Führerhauptquartier“ auszubauen. Damit wurde Pullach zu einem zentralen Ort der NS-Parteiprominenz und der NS-Funktionäre, die sich in größerer Zahl hier niederließen.

„Stabsleitersiedlung“, ca. 1938, Gemeindearchiv Pullach

Die antisemitische Verfolgung des NS-Regimes, die sich gegen etwa 46 Personen in Pullach richtete, führte zum Tod einer Reihe von Mitbürgern: 5 Personen wurden nachweislich deportiert und durch das Regime ermordet, 3 Personen wurden in den Suizid getrieben. Den meisten gelang seinerzeit die Flucht in das europäische oder überseeische Ausland (25 Personen sind nachweisbar).

Die Gemeinde Pullach i. Isartal hat 2018 eine umfangreiche Aufarbeitung der antisemitischen Verfolgung veröffentlicht (Susanne Meinl, Pullacher Lebenswege. Geschichte der antisemitisch verfolgten Bevölkerung (Pullacher Schriftenreihe, Band 8), Pullach, 2018):

Während des Krieges war Pullach ein bedeutender Ort der Rüstungsproduktion, vor allem im Bereich der Firmen Linde sowie der Elektrochemischen Werke München (EWM). Für diese wurde viele Arbeitskräfte benötigt, die zu einem großen Teil aus Zwangsarbeitern bestand, also Arbeitskräften, die in geringerer Zahl angeworben, in großer Zahl aber aus besetzten Gebieten nach Deutschland verschleppt wurden. Die Zahl dieser Arbeiter wird im Laufe der Zeit in die Tausende gegangen sein.

Über den Einsatz von Zwangsarbeitern in Pullach, deren Verschleppung, ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen und Opfer hat die Gemeinde Pullach im Jahr 2025 eine umfangreiche Dokumentation herausgegeben (Susanne Meinl, Fremder Hände Arbeit. Gedenkbuch der ausländischen Zivilarbeiter, Zwangsarbeitsverpflichteten, Kriegsgefangenen und Verschleppten (Pullacher Schriftenreihe, Band 9), Pullach 2025):

Die Anzahl an Kriegszerstörungen blieb in Pullach relativ gering, im Ortsteil Höllriegelskeuth war diese v.a. wegen eines großen alliierten Luftangriffs am 19. Juli 1944 jedoch groß. Bei diesem starben 21 Menschen, darunter 8 Zwangsarbeiterinnen aus der Sowjetunion bzw. Polen.

Das Kriegsende verlief trotz befürchteter Übergriffe von früheren Zwangsarbeitern weitgehend ruhig.

18 Dr. Susanne Meinl, Pullach, Heilmannstraße. Von der Reichssiedlung Rudolf Heß zur Zentrale des Bundesnachrichtendienstes – Geschichte eines geheimnisvollen Ortes (Pullacher Schriftenreihe, Band VI, Pullach 2014)

Nachkriegszeit

In der Nachkriegszeit hatte sich Pullach vor allem der Frage zuzuwenden, wie zahlreiche Menschen, die durch Krieg und Folgen der NS-Politik hierher verschlagen worden waren, untergebracht werden könnten. Früh begann Pullach den Bau von Wohnungen. Die Pullacher Wohnungsbaugesellschaft wurde bereits am 02.06.1949 gegründet, diese schuf im Laufe von 20 Jahren mit der Vormbrock-Siedlung, der Siedlung am Grundelberg und der Hans-Keis-Straße 450 Wohnungen, die durch Nachverdichtungsmaßnahmen und weitere Neubauten in den Folgejahren weiter vermehrt wurden. Heute verfügt die Pullacher Wohnungsbaugesellschaft über einen Bestand an 565 Wohnungen.

Einladung zum Richtfest, Vormbrocksiedlung, 1950, Gemeindearchiv Pullach
Das Gelände der Bormann-Siedlung wurde nach dem Krieg zunächst durch die amerikanische „Civilian Censorship Diviison“ genutzt. Bei dieser handelte es sich bereits um einen Geheimdienst, der neben zwei weiteren Standorten in Berlin und Frankfurt/Offenbach den Postverkehr in den besetzten westlichen Zonen kontrollieren sollte. Dort wurden vielfach mit den Besatzungstruppen nach Deutschland zurückgekommene frühere Opfer des Nationalsozialismus eingesetzt, die wegen ihrer Herkunft aus Deutschland, Ihrer Motivation als frühere Verfolgte und ihrer sprachlichen/gesellschaftlichen Kenntnisse geeignet erschienen.

Reinhard Gehlen (...), Kopie aus der Kriegsgefangenenakte (Von US Army, Signal Corps - [1] [2], Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2614758)

In den Jahren 1946/47 tauchten bereits erste Mitarbeiter eines künftigen deutschen Auslandsgeheimdienstes auf, der zunächst noch unter amerikanischer Führung stehen sollte. Leiter war Reinhard Gehlen (1902 - 1979), der zahlreiche Mitarbeiter aus den früheren Dienststellen von „Fremde Heere Ost“ des OKWs der Wehrmacht um sich sammelte. Er selbst nannte sich „Dr. Schneider“, das Areal wurde „Nikolaus“ genannt. Bis 1956 erwuchs daraus der BND (Bundesnachrichtendienst), der Auslandsgeheimdienst der Bundesrepublik Deutschland, der bis heute einen Sitz in Pullach hat.

Pullach, heute

Pullach 2019, Oliver Rehbinder

Pullach ist heute Standort einer Reihe von national wie international bedeutenden Unternehmen sowie zahlreicher erfolgreicher mittelständischer Firmen. Als eine der ersten Gemeinden im Münchner Umland nahm Pullach im Jahr 2005 eine kommunale Fernwärmeversorgung durch Geothermie in Betrieb. Diese deckt mittlerweile die Hälfte des Wärmebedarfs der Gemeinde.

Die Gemeinde Pullach hatte zum 31.12.2024 eine Einwohnerzahl von 8.501 Menschen.

Sie unterhält Partnerschaften zu Pauillac im Médoc/Frankreich (seit 1964) und zur Region Baryschiwka und der Stadt Beresan (seit 1990).

Präsente für Pullach-Fans:
Pullacher Schriftenreihe & Pullacher Geschichte(n)

Am Rathaus-Empfang erhalten Sie Filme über die Geschichte unserer Gemeinde auf DVD und Blu-ray sowie die Bände 2 bis 8 unserer Pullacher Schriftenreihe. Die Bände Nummer 6 und Nummer 8 können Sie zudem deutschlandweit im Buchhandel erwerben.

Ehrenbürgerinnen und Ehrenbürger unserer Gemeinde

Name, Beruf GeborenVerstorbenEhrenbürger seit
Michael Aschner, Lehrer14.05.185231.07.190907.05.1907
Georg Gistl, 1. Bürgermeister24.04.184803.02.192308.07.1919
Adolf Wenz, Kommerzienrat27.04.184026.11.192708.07.1919
Wilhelm Jaiser, Oberingenieur21.10.186207.11.193022.07.1928
Josef Breher, 1. Bürgermeister01.07.188406.02.196407.06.1957
Emil Riedl, Prokurist02.03.188102.05.196009.05.1958
Fritz Wöllner, Gemeinderat17.04.189025.09.196428.04.1960
Dr. Richard Eylenburg, 2. Bürgermeister29.06.188106.01.196929.04.1966
Josef Seidl, 1. Bürgermeister24.05.190618.06.200024.06.1976
Charlotte Dessecker, Gemeinderätin07.12.190008.10.198025.04.1978
Franz Scholz, Gemeinderat05.02.190204.04.198525.04.1978
Ernst Leibrecht, Pfarrer22.08.191415.11.199917.10.1992
André Cazes, Bürgermeister v. Pauillac  28.02.200929.10.1994
Louis Sénillon, Bürgermeister v. Pauillac 28.01.1930 20.07.202229.10.1994
Dr. François Dubuc, Pauillac  29.10.200229.10.1994
Prof. Dr. Hermann Linde12.11.191731.08.201529.04.2002
Ludwig Weber, Altbürgermeister 29.05.1930  13.11.202312.05.2004
Irene Becker, Kunstmäzenin25.08.192320.06.201307.06.2005
Rolf Becker, Verleger, Kunstmäzen05.06.192015.02.201407.06.2005
Erwin Deprosse19.05.1931 19.05.2015
Mykola Kowalenko 02.05.1941 12.01.2018
Sabine Würthner, Altbürgermeisterin28.09.2021

Ehemalige Bürgermeisterinnen und Bürgermeister unserer Gemeinde

1946-1964Josef BreherCSU
1964-1984Josef SeidlCSU
1984-1996Ludwig WeberCSU
1996-2002Sabine WürthnerFDP
2002-2008Dr. Stefan DetigCSU
2008-2014Jürgen WestenthannerCSU
2014-2026Susanna TausendfreundDIE GRÜNEN

Gebäudetafeln

Gut/Waldwirtschaft Großhesselohe

Der Ort Hesselohe („Hesinloh“) wurde erstmalig in einer Urkunde von Bayernherzog Tassilo III. 776 erwähnt. Diese überschrieb die dortigen Besitzungen von Hatto von Hesinloh geschenkweise an das Kloster Schäftlarn.

Urkunde Tassilo III. Hesinloh, 776

Um 1301 gelangte das Gut durch Kauf in den Besitz des Heilig-Geist-Spitals in München, das bis zu einem Brand (1327) vom Heilig-Geist-Orden unterhalten wurde. Nach Abzug des Ordens (1330) übernahm die Stadt München die Verwaltung von Spital und zugehörigen Gütern, dies fast 500 Jahre lang bis zur Säkularisation (1803).

Heilig-Geist-Spital München, Stadtmodell von Jakob Sandtner, 1570 (rechts unten)

Mit der Säkularisation ging der Besitz auf den Bayerischen Staat über, der diesen durch seine „Königliche Administration der Wohltätigkeitsstiftungen“ zunächst an den Münchener Cafétier Schröfl veräußern ließ (1808). Später gelangte er an weitere Unternehmer ohne langfristige Interessen oder Möglichkeiten. Einzig die Barockkapelle des Gutes, die 1698 erbaute Dreifaltigkeitskapelle, wird bis heute als Stiftung durch die Stadt München verwaltet.

Gut Großhesselohe, Zeichnung von C. A. Lebschee, 1830

Im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts folgten in der Reihe der Gutsbesitzer jedoch bekannte Persönlichkeiten: Graf Jean-Baptiste Drouet d´ Erlon (1765 – 1844), ehemaliger General der napoleonischen Truppen, lebte hier ab 1818 als Exilant unter dem Namen „Baron Schmidt“ und betrieb eine erfolgreiche Gutsverwaltung. 1825 kehrte er nach Frankreich zurück. Er errichtete eine Brauerei (1820) und begründete die heutige Waldwirtschaft. Sein Sohn Hippolyte (1794 – 1840) bewirtschaftete das Gut weitere neun Jahre lang und verkaufte es 1834 an den Staatsminister Graf Montgelas (1759 – 1838), dessen Sohn Maximilian (1807 – 1870) es bis 1846 hielt. In dieser Zeit wurde das Gutsgebäude in klassizistischer Form zum „Montgelas-Schlösschen“ umgebaut und mit zwei Belvedere-Türmen versehen. Der Architekt war Jean Baptist Métivier (1781 – 1853).

Graf Jean Baptiste Drouet D’Erlon (1765 – 1844)

Graf Montgelas, Staatsminister (1759 – 1838)

Während der Jahre 1846 – 1875 folgte für das Gut Großhesselohe eine stabilere Phase. Großhesselohe hieß es mittlerweile, angeblich in deutlicher namentlicher Unterscheidung zum Kleinhesseloher See. Dieser war im Zuge der Anlage erster Areale des Englischen Gartens ab 1803 entstanden. Der neue Besitzer von Großhesselohe, Freiherr Karl von Beck-Peccoz, Papierfabrikant und Großgrundbesitzer in Augsburg und Pasing, betrieb weiterhin Brauerei, Wirtshaus und – in geringerem Maße – Landwirtschaft. An der Brauerei nahm er einige größere Investitionen vor..

Großhesseloher Kirchweih, Zeichnung, Josef Mauder (1884 – 1969)

Mit dem Bau des Staatsbahnhofs Großhesselohe (1854) erhielt auch das Gut mit seiner Gastwirtschaft Auftrieb. Die Gäste kamen in großer Zahl aus München und von weit her. Vor allem das Pfingstfest wurde üppig und zum Teil handfest begangen. Manches Bild, manche Zeichnung oder Postkarte und auch manche Polizeiakte gibt Zeugnis davon..

Montgelas-Schlösschen, erbaut zw. 1825 und 1834

Kapelle zur Heiligen Dreifaltigkeit, 1698

Waldwirtschaft, erbaut Mitte des 19. Jahrhunderts

1875 kam das Gut an die Familie Kalb. Sie trieb den Ausbau von Brauerei, Biervertrieb und Gastwirtschaft voran, musste jedoch zu Beginn des 20. Jahrhunderts erkennen, dass sich dies nicht mehr rentierte. Sie gab den Brauereibetrieb 1910 auf und begann die Parzellierung und den Verkauf von Gutsflächen zur Bebauung mit Villen, ehe sie das ganze Gut 1919 an die Familie Wöllner aus Ludwigshafen am Rhein veräußerte. Diese versuchte, die Landwirtschaft wieder zu beleben. Nachdem dies erfolglos blieb, wurden Parzellierung und Verkauf verstärkt aufgenommen. Die Idee einer „Villenkolonie Großhesselohe“ geht auf diese Zeit zurück. Im Jahr 1930 ging die Waldwirtschaft in den Besitz der Spaten-Brauerei über. Neben dem klassizistischen Montgelas-Schlösschen wird den Gebäuden der Waldwirtschaft und der daneben liegenden Barockkapelle Denkmalwert zugemessen. Das Montgelas-Schlösschen ist seit 1939 Eigentum und Sitz der in München gegründeten Fa. Hermes Arzneimittel der Johannes Burges Familienstiftung..

Sitz der Fa. Hermes Arzneimittel, 2017

Seitnerhof

Der heutige Name des Hofes geht zurück auf die Familie Seitner, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts Eigentümerin ist: Anton Seitner aus Lanzenhaar b. Sauerlach (1802 – 1882) erwarb 1859 den Hof auf einer Auktion. Sein Sohn Wilhelm (1846 – 1913, Hofbesitzer, Landwirt und Bürgermeister von Pullach in den Jahren 1876 – 1881), heiratete zudem in die Familie der Vorbesitzer (Westermaier) ein. Anton Seitner errichtete in den 1860er Jahren das heutige Hofgebäude.

Wilhelm Seitner, 1846 – 1913

Die Geschichte des Hofes reicht bis ins hohe Mittelalter zurück. Besitzer waren zunächst die in Pullach reich begüterten Herren von Baierbrunn. Diese gaben den Hof dem Kloster Schäftlarn, um mit den Erträgen ihre dortige Grabkapelle unterhalten zu lassen. Die Bewirtschaftung erfolgte durch Pächter, darunter im 16. Jahrhundert die Familien Sedlmaier und Stürzer, nach denen der Hof zeitweise benannt war.

Der Seitnerhof, 1992

Erst während des Dreißigjährigen Krieges, im Jahr 1632, verkaufte das Kloster den Hof an Caspar Häckl. Der Münchener Bürger und Ratsherr kaufte damals zahlreiche Höfe und Grundflächen in der Umgebung. Im weiteren Verlauf des Krieges folgten Zerstörung und jahrelange Brache. Nach dem Krieg gab es bis Mitte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Besitz- und Pächterwechsel. Darunter waren die Familien Gistl, Warnberger und, nach einer Brandkatastrophe im 19. Jh., die Westermaier, die den Hof wieder aufbauten.

Bauerndorf: Ansicht vom Seitnerhof bis zur Dorfkirche, 1820er Jahre

Die Familie Seitner betrieb bis 1964 Landwirtschaft. Zudem vermietete sie jahrzehntelang Zimmer an Gäste. Nach dem Tod der letzten Bäuerin, Mathilde Seitner (1909 – 1994), wurde der Hof in den Jahren 1996 – 1998 durch die Eheleute Nikolaus und Elisabeth Köhler zur Hotelanlage umgebaut.

Mathilde Seitner betrieb die Landwirtschaft bis 1964

Dem Gebäude wird wegen seiner historischen und städtebaulichen Bedeutung sowie seiner Eigenschaft als sehr weit südlich gelegener Dreiseithof mit Giebelfront und gegliederter Fassade (Putzbänder) Denkmalwert zugemessen..

Beginn des Umbaus zum Hotel, 1996

Berchmanskolleg

Das Jesuitenkolleg mit philosophischer Hochschule wurde nach Plänen der Architekten Georg Guinin und Richard Müller in den Jahren 1924/25 im Stil barocker Klosteranlagen erbaut. Es war zentraler Studienort für Ordensstudenten aus Süddeutschland, Österreich und anderen Provinzen des Jesuitenordens.

Diskussion Umbenennung Bischof-Meiser-Straße

Die Diskussion um die Umbenennung der Bischof-Meiser-Straße wurde durch einen entsprechenden Antrag des Pullacher Geschichtsforums vom 14.11.2020 angestoßen. Die Gemeinde Pullach i. Isartal machte es sich anschließend bis in das Frühjahr 2021 zur Aufgabe, die öffentlich Diskussion durch Anfragen an das örtliche Predigerseminar der VELKD, die Landesbischöfe von Hannover, Meister, und Bayern, Bedford-Strohm, und den Regionalbischof von München und Oberbayern, Kopp, vorzubereiten (vgl. Anlagen).

Für die Gemeinderatssitzung vom 27.04.2021 wurde eine Beschlussvorlage vorgelegt, die die Ergebnisse der Korrespondenz mit den Landesbischöfen, das weitere Vorgehen und eine Bürgeranhörung zur Abstimmung stellte. Der Gemeinderat stimmte auf dieser Sitzung einer Umbenennung in Dr.-Richard-Eylenburg-Straße zu unter dem Vorbehalt einer Bürgeranhörung. Diese erfolgte im Laufe der folgenden Monate. Bei den Anliegern war die Resonanz eher gering, in einem Falle wurde entschiedener Protest angemeldet.

Die Umbenennungsdiskusssion hatte jedoch gleichzeitig in der regionalen und überregionalen Presse zu erheblichem Echo geführt, das die wissenschaftliche Bewertung der Biographie Meisers und die entsprechende Umbenennungsdiskussionen in anderen Städten (v.a. München und Nürnberg) einbezog.

In der Gemeinderatssitzung vom 22.11.2021 wurde der Vorschlag, die Umbenennung der Bischof-Meiser-Straße zu vollziehen, abgelehnt. Hinsichtlich des weiteren Vorgehens brachten die Gemeinderäte, Frau Grasse, Herr Dr. Most und Herr Ptacek, den beigefügten Antrag vom 02.02.2022 ein (vgl. Anlage). Vorgeschlagen wurde nun, Informationstafeln zum Leben des Bischofs von Frau Dr. Nora Andrea Schulze erstellen zu lassen und eine Diskussionsveranstaltung vorzubereiten.

Die Tafeln wurden am 28.02.2023 dem Gemeinderat mit möglichen Standorten im öffentlichen Raum präsentiert (vgl. Beschlussvorlage vom 14.02.2023). Im Vorfeld war die Aufstellung der Tafeln im Predigerseminar der VELKD abgelehnt worden.

Der Gemeinderat beschloss am 28.02.2023, dass die Tafeln nicht im öffentlichen Raum, sondern auf der gemeindlichen Homepage gezeigt werden sollen, verknüpft mit einem QR-Code an den beiden Straßenschildern. Die Gemeindeverwaltung erhielt zudem den Auftrag, die Beschlussfassung zum Antrag des Geschichtsforums vom 04.11.2020 zeitnah vorzubereiten.

Der Gemeinderat beschloss am 28.02.2023, dass die Tafeln nicht im öffentlichen Raum, sondern auf der gemeindlichen Homepage gezeigt werden sollen, verknüpft mit einem QR-Code an den beiden Straßenschildern. Die Gemeindeverwaltung erhielt zudem den Auftrag, die Beschlussfassung zum Antrag des Geschichtsforums vom 04.11.2020 zeitnah vorzubereiten.

Hans Meiser Tafel 1 Hans Meiser Tafel 2 Hans Meiser Tafel 3 Hans Meiser Tafel 4

Erläuterungen Pullacher Straßennamen