Rede der Ersten Bürgereisterin zum Neujahrsempfang 2018

Vielen Dank an das Klarinetten- und Saxophon-Ensemble der Musikschule und seinem Leiter Michael Walter! Das Stück, das Sie eben gehört haben, heißt: „Oh Lady be good!“ Ich weiß nicht genau, wer für die Musikwahl verantwortlich ist, aber ich werde mir Mühe geben, auch gut zu Ihnen zu sein – ganz im Sinne dieses Songs!

Sehr geehrte Damen und Herren,
herzlich willkommen! Auch im Namen meiner beiden Stellvertreter, Frau Cornelia Zechmeister und Herrn Dr. Alexander Betz, sowie im Namen aller weiteren Mitglieder des Gemeinderats.
Die Gemeinde Pullach ist heute Abend nicht allein Gastgeber. Unsere beiden Kirchengemeinden sind es ebenfalls. Und so begrüße ich ganz herzlich Herrn Pfarrer Wolfgang Fluck vom katholischen Pfarrverband Pullach-Großhesselohe und Herrn Pfarrer Martin Zöbeley von der Jakobuskirche, der später noch ein Grußwort an Sie richten wird. Und ich begrüße heute Abend auch einen Kollegen der beiden: Pfarrer Ivan Machuzhak aus der ukrainischen griechisch-katholischen Pfarrei Maria Schutz und Sankt Andreas in München, der heute Abend unser Gast ist.

Sehr geehrte Damen und Herren,
einige von Ihnen sind extra aus der Ukraine zu uns gereist, aus unseren Partnergemeinden Barischywka und Beresan: Volodymyr Gumeniuk, Borys Skorik, Volodymyr Varenichenko, Oleksandr, Varenichenko, Oleksandr Pavlenko, Anatolii Semenko, Anatolii Vitiouk, Valerii Nitsak, Irina Savchuk. Ich heiße Sie alle herzlich in Pullach willkommen.
Allen voran: Mykola Kovalenko und seine Frau Valentina.
Mykola Kovalenko möchten wir heute Abend für seine Verdienste um unsere Partnerschaft ehren. Denn unsere Partnerschaft steht heute Abend im Mittelpunkt.
Darum haben wir auch Sie, liebe Mitglieder des Partnerschaften Vereins, eingeladen.
Ich freue mich, dass so viele von Ihnen gekommen sind und möchte Sie und auch Ihren Vorsitzenden Otto Horak ganz herzlich begrüßen.

Begrüßen möchte ich auch alle anwesenden Gemeinderäte, einschließlich der ehemaligen! Und unseren Ehrenbürger Erwin Deprosse und seine Ehefrau Karin. Außerdem sind heute Abend Träger der Pullacher Ehrenamtsnadel hier: Herzlich willkommen!
Mein Willkommen gilt auch unserer Altbürgermeisterin und Altbürgermeistern: Frau Sabine Würthner, Herrn Ludwig Weber mit seiner Frau Martina, Herrn Jürgen Westenthanner mit Sophie sowie Herrn Dr. Stefan Detig mit Kamelia.
Mit Herrn Detig erweist uns auch der Honoralkonsul der Philippinen die Ehre. In einer Person sozusagen. Heute Abend ebenfalls anwesend sind Konsul Oleksandr Prokopenko vom Generalkonsulat der Ukraine, wowie Michael Hamalij von Engagement Global. Dazu Honorakonsul Dr. Pantelis Christian Poetis vom Pakistanischen Honorarkonsulat.
Ich freue mich, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind! Unserer Einladung gefolgt sind auch die Organisatoren unserer französischen Partnerschaft mit Pauillac: Renate und Rudolf Sieghart. Schön, dass Sie gekommen sind!

Viele von Ihnen, sehr geehrte Damen und Herren, sind für unsere Gemeinde unentbehrlich: Sie schützen uns, Sie betreuen und lehren unsere Kinder, Sie halten unsere Gemeinde am Laufen, Sie machen sie lebens- und liebenswert.
Ich möchte die Vertreter unserer Schulen, unserer Kindertagesstätten, des Horts, der Polizei, der Freiwilligen Feuerwehr, unserer Vereine und Verbände, und unserer sozialen Einrichtungen und natürlich auch viele unserer Gewerbetreibender.ganz herzlich willkommen heißen!
Für viele von uns ist dieser Abend das erste Wiedersehen in diesem Jahr. Dieses Jahr ist ja noch ganz jung, gerade einmal 12 Tage alt. Es steckt noch voller Möglichkeiten.

Der Dichter Rainer Maria Rilke hat es so wunderbar treffend beschrieben:
„Und nun wollen wir glauben an ein langes Jahr,
das uns gegeben ist,
neu, unberührt, voll nie gewesener Dinge,
voll nie getaner Arbeit, voll Aufgabe, Anspruch und Zumutung;
und wollen sehen, daß wirs nehmen lernen,
ohne allzu viel fallen zu lassen von dem, was es zu vergeben hat,
an die, die Notwendiges, Ernstes und Großes von ihm verlangen.“

Diese Worte stammen aus einem Brief, den Rilke an einem 1. Januar an seine Frau Clara geschrieben hat. Vor mehr als 100 Jahren Aber ich finde, sie passen auch heute noch.
Auch wir erwarten einiges vom kommenden Jahr. Darunter auch Großes, Ernstes und Notwendiges. Aber wir wissen: Abverlangen können wir dem Jahr nur, was wir selbst zu geben bereit sind. Wir müssen selbst dafür arbeiten, Zeit und Mühe aufwenden, auch mal streiten und danach wieder zusammen finden. Das ist manchmal das Schwierigste. Aber ich denke: das ist das Wichtigste. Denn wie heißt es so schön: Niemand ist eine Insel.

Egal wie unterschiedlich unsere Meinungen oder politischen Ansichten und Ziele sind und waren – ich finde: Bisher ist uns das Zusammenfinden immer gelungen. Manchmal ist es uns vielleicht etwas schwerer gefallen, meistens leichter.

Und es wird uns auch im Februar gelingen, wenn wir darüber abstimmen, ob in der Heilmannstraße gemeindeeigene Wohnungen entstehen oder ob das Grundstück als Vorratsfläche dienen soll. Das Grundstück am Grundelberg hatte die Gemeinde Ende 2015 gekauft. Wie die meisten von Ihnen bestimmt wissen, wird es am 25. Februar einen Bürgerentscheid darüber geben, was damit geschehen soll. Und ich bitte alle Pullacherinnen und Pullacher, die nächsten Wochen zu nutzen, um sich vielleicht noch zu informieren. Und vor allem bitte ich Sie, an der Abstimmung teilzunehmen. Jede Stimme zählt.

Ein wunderbares Beispiel für ein gelungenes Zusammenfinden sind unsere Gemeindepartnerschaften mit Paulliac und Barischywka. Aus ehemaligen Kriegsgegnern wurden nicht nur Partner, sondern Freunde.

Liebe Freunde aus der Ukraine, in dieser Zeit, in der Sie und Ihre Angehörigen, den noch immer anhaltenden Konflikt um Ihr Land ertragen müssen, möchten wir Ihnen besonders zur Seite stehen. Unsere Partnerschaft hat Ludwig Weber vor 27 Jahren als Bürgermeister mit initiiert. Als die deutschen Heeresgruppen 1941 in die damalige Sowjetunion einfielen, war er ein Kind, gerade einmal elf Jahre alt. Mehr als eine Million Menschen verloren bei der brutalen Kesselschlacht um die Kiewer Region ihr Leben. Städte und Dörfer wurden zerstört.
Und doch gibt es diese Partnerschaft.

Sie, liebe Gäste aus Barischywka, empfangen uns stets mit solcher Gastfreundschaft!
Sie vertrauen uns Ihre Kinder an, wenn diese einen Teil ihrer Ferien bei uns verbringen. Die Kinder- und Jugendreisen sind ein fester Bestandteil unserer Partnerschaft. Ermöglicht werden Sie dank vieler Unterstützer: den Gasteltern, der Feuerwehr, dem Bauhof, aber eben vor allem dank Ihnen beiden: liebe Barbara Kammerer-Fischer und lieber Otto Horak. Sie beiden organisieren diese Reisen jedes Jahr mit viel Zeitaufwand und noch mehr Herzblut. Danke!
Mein ganz besonderer Dank gilt auch Dr. Peter Hailer, der auf dem Neujahrsempfang vor zwei Jahren bereits gesondert geehrt wurde. Er war von Anfang an dabei. Er ist nicht nur Gründungsmitglied des Partnerschaften Vereins, der heute 99 Mitglieder hat, sondern er war auch lange Jahre sein Vorsitzender. Jetzt hat er den stellvertretenden Vorsitz inne. Und war bis vor kurzem verantwortlich für die Hilfstransporte in die Ukraine.

Als unsere beiden Gemeinden zueinander fanden, hatten viele Bürgerinnen und Bürger auf beiden Seiten, den Krieg noch selbst erlebt. Wie viel ihnen dieser Schritt aufeinander zu bedeutet haben muss, können Sie sich, liebe Freunde aus der Ukraine, und Sie sich, liebe Pullacher, vorstellen. Bevor unsere beiden Gemeinden Partner werden konnten, mussten wir aber erst einmal zueinander finden. Im wahrsten Sinne des Wortes. Schon Anfang der 80er – ich war noch nicht einmal 20 Jahre alt – begannen die ersten Pullacherinnen und Pullacher sich für eine Partnergemeinde aus Osteuropa einzusetzen. Allen voran der Friedenskreis Pullach. Es war die Zeit des kalten Krieges. Die Möglichkeit eines Atomschlags, entweder von amerikanischer oder von sowjetischer Seite, war allgegenwärtig.

Ich erinnere mich, wie wir damals auf dem Kirchplatz standen, um die Pullacherinnen und Pullacher dazu zu bewegen, unseren Friedensaufruf zu unterzeichnen: gegen die Stationierung von Mittelstreckenraketen und eben für eine Partnerschaft mit einer sowjetischen Gemeinde. Ich kann mich auch noch daran erinnern, dass viele damals dem Thema „Abrüstung“ skeptisch gegenüberstanden. Der Ost-West-Konflikt war höchst präsent.
Den Wunsch nach einer Partnergemeinde in der Sowjetunion oder zumindest nach Kontakten zwischen den Menschen in Ost und West hatten viele aber auch schon in den 80er Jahren. Dieser Wunsch wurde mit Glasnost und Perestroika und schließlich mit dem Mauerfall greifbar. So beschloss unser Gemeinderat im Januar 1990 einstimmig, auf die Suche nach einer Partnergemeinde zu gehen.

Allerdings: Eine zu finden, war gar nicht so leicht. Der Kalte Krieg war ja eben erst vorüber. Die Sowjetunion existierte noch. Und plötzlich taucht eine Delegation Deutscher im sowjetischen Honorarkonsulat in München auf und will einen Beitrag zur Völkerverständigung leisten? – ausgerechnet mit einer sowjetischen Kommune?
Und vor allem: ausgerechnet aus Pullach – aus der Heimat des BNDs.
Und die Erlaubnis des Geheimdienstes haben wir uns auch noch besorgen müssen!
Der BND hatte dann zwar nichts gegen eine Partnerschaft. Nur Sie, lieber Herr Prokopenko, hätten damals Pullach noch nicht betreten dürfen. Für Mitglieder des sowjetischen Konsulats galt unsere Gemeinde nämlich noch als Sperrgebiet.

Scha-now-nyj Mykola Kowalenko, lieber Mykola Kowalenko,
Scha-now-nyj Ludwig Weber,
Sie waren damals dabei.
Wir werden von Ihnen später noch mehr aus dieser Anfangszeit erfahren.

Ob in der Ukraine oder in Deutschland: Natürlich sind wir nur kleine Kommunen – aber warum sollten wir kleinen Gemeinden, die wir solche Partnerschaften pflegen, die wir solche Partnerschaften leben, nicht in Manchem auch als Vorbild taugen?
Für die Bundesrepublik, für die Ukraine, für Europa und auch darüber hinaus. Bei der aktuellen Nachrichtenlage wünsche ich mir das sogar sehr.

Sa Druschbu! Auf die Freundschaft!

Jetzt will ich nicht zu weit in die Ferne schweifen. Und mich auf unser Pullach konzentrieren: Auf uns warten 2018 viele Projekte. Wir werden uns weiter um die Ortsentwicklung kümmern. Im März wird eine Ausstellung im Bürgerhaus zeigen, wie das von uns beauftragte Planungsbüro die Vorschläge der Bürgerinnen und Bürger und die Leitziele, die der Gemeinderat formulierte, in Handlungsempfehlungen umgewandelt hat. Außerdem werden wir den Fahrplan für das neue Schwimmbad an der Kuhwiese erarbeiten sowie einen Fahrplan zur Belebung der Ortsmitte. Auch in Sachen Schulgebäude werden wir in die nächste Runde gehen und mit der Konzeptphase beginnen: Bildung ist eines der höchsten Güter, die wir unseren Kindern mitgeben können. Dass unsere Gemeinde hervorragende Schulen hat und behalten soll, hat für uns darum erste Priorität.
In Workshops werden wir nun zunächst herausarbeiten, welche pädagogischen Konzepte für die Grund- und die Mittelschule in Zukunft umsetzbar sind und wie man für diese den passenden Raum schafft.

Es wird also spannend in diesem Jahr. Ich freue mich auf die Aufgaben, die vor uns liegen. Auf die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat und mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gemeinde. Einige von Ihnen sind heute hier. Ihnen möchte ich sagen: Vielen Dank für Ihren Einsatz im vergangenen Jahr!

Und ich freue mich auch auf ein anderes, bereits abgeschlossenes Projekt: auf den zweiten Film unseres Ortschronisten Erwin Deprosse. Darin wird er uns Zuschauern wieder Teile unserer Heimat näherbringen, uns Neues an Gebäuden und Orten zeigen, an denen wir sonst vielleicht achtlos vorübergehen. Der Film beschäftigt sich auch mit der Wenzsiedlung unterhalb der Großhesseloher Brücke. Premiere werden wir voraussichtlich im April im Bürgerhaus feiern.

Der Dichter Rilke sprach in seinem Neujahrsbrief von Großem, vom Ernsten und Notwendigen. Für jeden von Ihnen bedeutet das sicherlich etwas anderes. Für die Gemeinde Pullach bedeutet das auch, jene zu ehren, die eben für unsere Gemeinde Großes geleistet haben.

Scha-now-nyj Mykola Kowalenko, lieber Freund,
Sie möchten wir heute zum Ehrenbürger der Gemeinde Pullach ernennen.
So viel haben Sie für die Freundschaft unserer Gemeinden getan.
Ludwig Weber wird das gleich in seiner Laudatio ausführen.

Und Ihnen allen wünsche ich, dass Sie viele Ihrer Wünsche 2018 erfüllen können und auch, dass Sie vielleicht neue Ziele entwickeln. Und ich wünsche Ihnen, dass Sie neben dem Ernsten und Notwendigen auch das Schöne, das Fröhliche, aber nicht weniger Bedeutsame genießen können: die Kunst, die Kultur und vor allem: das Beisammensein.
Wie heute Abend.

Mein Dank dafür geht an die Organisatoren, Stefanie Nagl und Andrea Rohde, das Team vom Bürgerhaus, das Treibhaus-Team von Tobi Schumacher, an unsere Übersetzerinnen Elena Berk, Irina Savchuk und Olessia Struk und an die Musikervon La Rosette Pauillac und der Musikschule Pullach und deren Leiter Folko Jungnitsch!
Jetzt hören Sie gleich ein Duett aus dem Musical, das die Musikschule im vergangenen Jahr sehr erfolgreich auf die Bühne gebracht hat: “The Sound of Music”.
Und danach wird Pfarrer Martin Zöbeley von der Jakobuskirche Sie im neuen Jahr willkommen heißen. Ich wünsche Ihnen nun viel Vergnügen!

Pry-jem-noho Wet-scho-ra!

Einen schönen Abend! Herzlichen Dank!

12. Januar 2018