Status Quo zum Kita-Bauprojekt in der Kreuzeckstraße 21

Nach mehreren Gemeinderatsbeschlüssen in den vergangenen Monaten – zuletzt in der Sitzung am 27. Januar 2026 – sind die Planungen für die Errichtung einer Kindertagesstätte in der Kreuzeckstraße 21 in vollem Gange. Aus aktuellem Anlass ordnen wir einige Sachverhalte dieses Kita-Bauprojekts gerne nochmals ein.

Um die neue Kita in der Kreuzeckstraße zu errichten, wurde in der Gemeinderatssitzung im Januar eine Änderung des Bebauungsplans beschlossen. Die Wahrnehmung eines erhöhten Baurechts seitens der Kommune im Vergleich zu Privatpersonen ist ein üblicher Vorgang. Anders als beim Bau von privaten Wohngebäuden basiert dieses erhöhte Baurecht auf einem berechtigten öffentlichen Interesse, in diesem Fall der Schaffung von ausreichenden Kinderbetreuungsplätzen als Pflichtaufgabe einer Gemeinde. Es ist die Grundvoraussetzung, um als Gemeinde öffentliche Gebäude und Anlagen der kommunalen Daseinsvorsorge wie beispielsweise Schulen, Kindergärten oder Sportstätten errichten zu können. Hierzu steht einer Gemeinde die kommunale Planungshoheit zur Verfügung.

Kapazitäten der Kinderbetreuung sind ausgeschöpft

Zum Bedarf: Wie bereits mehrfach ausführlich dargelegt, sind die bestehenden Kapazitäten an Kinderbetreuungsplätzen in Pullach vollständig ausgeschöpft. Das führt zu einer hohen Abhängigkeit von Einrichtungen außerhalb der Gemeinde, in denen momentan über 50 Pullacher Kinder untergebracht sind (Stand: 29. Januar 2026). Mit anderen Worten: Ohne die Unterstützung externer Einrichtungen wäre die Kinderbetreuung in Pullach bereits heute nicht gewährleistet. Diese Abhängigkeit von Einrichtungen außerhalb unserer Gemeinde ist keine tragfähige Grundlage, um langfristig ein gutes Kinderbetreuungsangebot aufzubauen.

Die angespannte Betreuungssituation verschärft sich zum 1. September durch die Einstellung des Betriebs des Kinderhauses St. Gabriel, welches als Betreuungseinrichtung für Pullacher Kinder geführt wurde. Die Einstellung des Betriebs wurde Mitte Januar an die Eltern der dort betreuten Kinder kommuniziert, nachdem bereits im Vorjahr das Platzangebot von vier auf zwei Gruppen reduziert wurde. Diese Entwicklung hat in den vergangenen Monaten zu einer deutlichen Verunsicherung der Eltern geführt, die daraufhin zum Großteil in andere Einrichtungen gewechselt sind.

Hinzu kommt, dass das Kinderhaus St. Gabriel trotz der finanziellen Unterstützung der Eltern durch die Gemeinde die teuerste aller Pullacher Einrichtungen ist. Diese unsichere Ausgangslage ist ursächlich dafür, dass aktuell nur noch sieben Pullacher Kinder im Kinderhaus St. Gabriel betreut werden. Das lässt aber keine Rückschlüsse auf den tatsächlichen Bedarf an Betreuungsplätzen in Pullach zu. Eine Bemessung des Angebots an Kinderbetreuungsplätzen anhand des jeweils aktuellen Bedarfs geht zudem an der Realität vorbei, da sich dieser periodisch ändert.

In einer Pressemitteilung der Fraktionen CSU, FDP und WIP im Pullacher Gemeinderat werden Räumlichkeiten auf dem Areal des Klosters St. Gabriel für die Kompensation der wegfallenden Plätze und für die Übergangslösung bis zu einem Neubau der „Mäuseburg“ vorgeschlagen. In diesem Zusammenhang werden konkrete Mietvertragskonditionen der Gemeinde genannt. Hier möchten wir ausdrücklich darauf hinweisen, dass diese nicht nur unzutreffend sind, sondern auch gegen die Verschwiegenheitsverpflichtung gegenüber unserem Kooperationspartner, dem Kloster St. Gabriel, verstoßen.

Räumlichkeiten des Klosters St. Gabriel für zahlreiche Träger nicht geeignet

Unabhängig davon war die Gemeinde in den vergangenen Wochen und Monaten bereits im intensiven Austausch mit zahlreichen Trägern, um die Eignung der vorhandenen Räumlichkeiten für eine neue Kita zu prüfen. Die Rückmeldung der Träger war dabei stets die gleiche: Die Räume sind dafür nicht geeignet. Bei derartigen Überlegungen ist zudem zu berücksichtigen, dass sich das Areal des Klosters St. Gabriel auf Münchner Stadtgebiet befindet. Somit liegt die Planungshoheit nicht bei der Gemeinde, was etwaige Genehmigungsverfahren erheblich erschweren würde.

Auch die vorgeschlagene Anmietung anderer Räumlichkeiten auf dem Gelände des Klosters St. Gabriel ist wenig aussichtsreich. Das „Haus 6“ wird seit geraumer Zeit vergeblich zur Anmietung angeboten. Eine räumliche Eignung für drei oder gar vier Kitagruppen ist fraglich. Auch hier müsste zudem ein passender Träger gefunden werden, der aktuell nicht in Aussicht ist. Der vorgeschlagene Umzug der AWO, aktueller Betreiber der „Mäuseburg“ in Pullach, in diese Räumlichkeiten wäre keine realistische Option.

Für die Verwaltung sind langjährige Provisorien wie beispielsweise die Container der „Mäuseburg“ in der Kinderbetreuung nicht zielführend. Genau vor diesem Hintergrund ist die neue Kita in der Kreuzeckstraße als nachhaltige und flexibel nutzbare dauerhafte Einrichtung geplant. Sie ist weder Provisorium noch Interimslösung und hilft den Bedarf in Pullach langfristig und verlässlich auf einem gemeindlichen Grundstück abzudecken. Daher erscheint es auch widersprüchlich, eine weitere Interimslösung auf dem Areal des Klosters St. Gabriel zu schaffen

Neue Kita soll dort entstehen, wo der Bedarf ist

Grundsätzlich wollen wir die Kinderbetreuungseinrichtungen dort errichten, wo der tatsächliche Bedarf ist – sprich dort, wo Familien mit Kindern wohnen. Zusätzlich zum Ortsteil Großhesselohe befinden sich in fußläufiger Umgebung der Kreuzeckstraße die Siedlungen am Grundelberg und an der Hans-Keis-Straße mit mehr als 500 kommunalen Wohnungen. Hinzu kommt, dass es derzeit in Großhesselohe mit dem Kindergarten St. Ansgar nur eine öffentliche Betreuungseinrichtung gibt. Der Standort an der Kreuzeckstraße ist gut mit dem Fahrrad und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln S-Bahn und Bus durch die unmittelbare Nähe zum Isartalbahnhof zu erreichen. Ein weiterer großer Vorteil bleibt der nahe gelegene öffentliche P+R-Parkplatz, der ausreichende Parkmöglichkeiten bietet. Zudem wäre die bereits lang angestrebte Belebung des Wöllner Platzes mit dem Spielplatz und der angrenzenden Gastronomie ein positiver Nebeneffekt.

Abschließend gilt es festzuhalten, dass eine Interimslösung auf dem Areal des Klosters St. Gabriel aufgrund der beschriebenen Umstände in vielerlei Hinsicht keine geeignete Option darstellt. Dagegen bietet die neue Kita in der Kreuzeckstraße, die nach aktuellen Planungen im September 2027 in Betrieb gehen kann, die Möglichkeit, den Wegfall der Plätze aus dem Kinderhaus St. Gabriel zumindest teilweise aufzufangen. Die erforderliche dauerhafte Erhöhung und Sicherung der Kapazität an Kinderbetreuungsplätzen in Pullach wird mit der Fertigstellung eines Neubaus der Mäuseburg statt der bisherigen Container erreicht. Auch dieses Projekt befindet sich bereits in Planung.

Gemeinde Pullach i. Isartal