Rede zur Maifeier 2018

Liebe Pullacher Gäste, ich begrüße euch und Sie zum heutigen Feste. Der 1. Mai, ein ganz besonderer Tag, der Rest des Jahres ist ja wirklich fad. Heute, wenn wir uns treffen zu großen Ehren, zu Ehren eines Baumes, der uns kann viel erzählen.

Lieber neuer Maibaum!
Heute, da ist für dich der Raum.
Gerne sehen wir zu dir auf,
früher kam kaum jemand zu dir raus.

Ganz versteckt im Wald geboren,
hast‘ den Kontakt nach Pullach nie verloren.
Mittendrin im Pullacher G’wühl,
gut 30 Meter hoch, was für ein G’fühl?
37 Meter hattest du noch im Wald.
Zu groß. Das war klar recht bald.
Gefällt, geschält, geschliffen,
grundiert, bemalt, beim Einzug sogar beritten.
Deine Statur ist nun aus einem Guss,
viel Arbeit war’s – doch das ein Muss!
So wie Du dastehst, das ist phänomenal,
vielleicht der Beste – für Pullach ist’s das 14. Mal.

Vor vier Jahren – genau hier –
stand ich neben einem Baum wie Dir.
Ein tragisch’ Ende hat er genommen,
der Maibaum-Gutachter ist gekommen…
Er hat gesagt: „Der Baum muss weg!“
Ein neuer Anstrich hätt` keinen Zweck.
Zu groß die Angst, dass Sturm – oder Wurm – ihn machen zur Gefahr
und er nicht hält ein weit’res Jahr.

Nun liegt er hier, zersägt in viele Teile,
die vielleicht noch weiterleben eine Weile.
Versteigert sollen sie werden Stück für Stück.
So bringen sie auch der Burschenkasse Glück.

Wir hatten eine schöne Zeit.
Begonnen haben wir zu zweit:
2014 am gleichen Tag – jeder in seiner Funktion:
ich als Bürgermeisterin, er als Wahrzeichen unserer Tradition.
Ich bin noch da – und er ist weg! Das ist schon fast ein dunkler Fleck!

Aber jetzt werden wir gemeinsam unsere Blicke richten,
auf eine der schönsten Forstenrieder-Park-Rotfichten.
Wohl im Jahre 1905 erblicktest Du das erste Mal das Sonnenlicht.
Gott sei Dank fraßen Dich Reh und Wildschwein nicht!

Als Dein aller erster Maibaumkollege 1914 in Pullach wurde aufgestellt,
hast du gerade mal neun Jahre gezählt.
Sein Schicksal wird dich auf keinen Fall  ereilen:
Ihn brachte ein Windstoß zum Fallen.
Da lag er damals, jäh niedergestreckt,
während Du dich erst richtig in die Höhe gereckt.

Heute seh’n wir es an deinen 113 Jahresringen –
wir könnten so einiges in Erfahrung bringen.
Angenommen, du könntest es uns berichten…
Was wären das für spannende Geschichten!

Nun stehst Du hier in unserem Kreise,
geschmückt in ganz besonderer Weise,
von kräftigen Burschen und feschen Madln,
mit Herzblut, Ehrgeiz und den strammen Wadln.
Auf dass der Gutachter Deine Qualität erkennt
und Dir ein langes Leben gönnt!

Mein Dankeschön geht natürlich auch an den Bauhof und die Feuerwehr,
sie haben unterstützt die Burschen sehr.
Die haben Dich nämlich hierhergebracht
und Dich an ihrer Hütte streng bewacht.
Ohne Pause gaben sie auf dich Acht.
Jeden Tag und jede karibisch warme Nacht.
Das hat immer sehr viel Spaß gemacht.

Keine Chance hatten Maibaumdiebe.
Gesetzt hätt’ es sonst saub’re Hiebe.
Auch dem Markus Söder sind die Burschen zuvorgekommen,
der Baum hat längst ein Spitzenkreuz bekommen.
Bei sowas haben wir Geduld,
wer sich’s verordnen lässt, ist selber schuld.
Genug nun mit Geplänkel,
wir klopfen auf die Schenkel.
In Bayern herrscht die Obrigkeit,
in Pullach richt’s die G’mütlich- und die Einigkeit!

Den heut’gen Tag erwarten wir seit Wochen,
selbst nach der Freinacht gab’s kein böses Erwachen.
So schwer die Lage in der weiten Welt,
schön, dass uns der Ort zuhause und zusammen hält!

Jetzt übergebe ich an die Pfarrer,
das sind zwei engagierte Macher,
nach Segnung wird die Feier starten,
gebührlich und mit allen Lebensarten.