30 Jahre Bürgerhaus – Ein Fest für die Kultur

Am vergangenem Samstag wurde das Bürgerhaus Pullach festlich gefeiert. Seine Architektur, sein Zweck als Ortsmittelpunkt und sein öffentlicher Kulturauftrag waren die Themen. Und natürlich wurde der Abend zu einem Fest, der diesem Ereignis gerecht wurde.

Landrat Christoph Göbel durfte die Gäste begrüßen und die Entstehungsgeschichte vom abgebrannten Vorgänger (Bürgerterrassen) über die Gründungsväter und -mütter Ludwig Weber und Renate Seidel mit Schwung Revue passieren lassen.

Erste Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund begrüßte u.a. die Künstler und Künstlerinnen, stellvertretend für sie alle nannte Sie Bibi Johns, die in Pullach lebt. Auch wichtige Vertreter des BND, wie u.a. der Pressesprecher Martin Heinemann aus Berlin wurden willkommen geheißen. Dann ging sie ins Detail und schilderte knapp die Diskussion von der Idee bis zur Ausführung eines Kulturhauses. Sie dankte den weitsichtigen Initiatoren Seidel und Weber besonders, erinnerte dabei auch an Odilo Helmerich und nannte das Projekt Bürgerhaus eine nachhaltige Investition in unsere Zukunft. Besonders erwähnte sie die mittlerweile erprobte Architektur, für die Regierungsbaumeister und Architekt Christoph Wortmann verantwortlich zeichnet. Deren Wandlungsfähigkeit ermögliche eine Nutzung von Seminaren über Kongresse bis zur Großveranstaltung. Das Bürgerhaus stelle einen Identifikationsort für alle Pullacherinnen und Pullacher dar und bilde einen Mittelpunkt für viele kulturelle Ereignisse. Das Spektrum reiche von kulturellen Veranstaltungen für Kindergärten und Schulen am Vormittag bis zu Seniorenprogrammen am Nachmittag und zu außergewöhnlichen Theatern, klassischen Konzerten, Jazz und Kabarett am Abend. Dabei sei immer die Qualität ein Hauptkriterium. Der Bildungsauftrag sei eine Verpflichtung, wobei die Unterhaltung auf hohem Niveau nicht zu kurz käme. Dies sei den beiden Leitungen Wolfgang Buttmann und Dr. Hannah Stegmayer zu verdanken, die das Haus auf diese Weise vorbildlich und offen für die Bürger etabliert hätten. Viele Künstler hätten in Pullach ihre Karriere gestartet und seinen dann wieder gerne hierher zurückgekommen.

Landrat Christoph Göbel, Erste Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund, stellvertretender Landrat Christoph Nadler, Sängerin und Schauspielerin Bibi Johns, ehemaliger Bürgerhausleiter Wolfgang Buttmann, Bürgerhausleiterin Dr. Hannah Stegmayer, Architekt des Bürgerhauses Christoph Wortmann (v.l.n.r.). Foto: Claus Schunk

Viele Vereine hätten hier eine Heimat gefunden und gestalten Kultur mit. Auch die Bibliothek stelle im Ortszentrum einen großen Nutzen dar. Susanna Tausendfreund dankte allen Verantwortlichen und insbesondere dem kompetenten und dienstleistungsorientierten Team des Bürgerhauses, das stets sein bestes zum Nutzen der Gemeinde gäbe. Dafür erhielt sie großen Applaus und Zustimmung. Susanna Tausendfreund war als Gastgeberin mit dem Rollstuhl auf die Bühne gekommen und ließ es sich nicht nehmen, aktiv an der Veranstaltung teilzunehmen. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, die ursprünglich zum Festakt kommen wollte, hatte auf Grund der politischen Ereignisse fünf Minuten vor Beginn ihre Teilnahme absagen müssen.

Fotos: Claus Schunk

Schließlich hielt die Leitung des Bürgerhauses, Dr. Hannah Stegmayer, eine Festrede. Sie bedankte sich zuerst bei Susanna Tausendfreund für das Vertrauen in ihre Programmgestaltung, bei der sie jede Freiheit habe sowie für ihre Verfügbarkeit auch im Krankenstand.

Dann spannte sie einen Bogen von der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Situation, bis zur Kritikfähigkeit durch Kunstrezeption. Von der digitalen Transformation und KI und deren Herausforderungen bis zur kulturellen Teilhabe, die fit machen kann für diese Herausforderungen.

Ein historischer Abriss der kulturellen und humanistischen Situation nach 1945 sollte zeigen, wie wichtig der Kulturauftrag einer Kommune sei, um ähnliche Katastrophen und einen ähnlichen Zivilisationsbruch zu vermeiden. Denn Literatur und Theater vermittelten Werte. Stegmayer wörtlich: „Erst in dem ästhetischen Zustand erhebt sich der Mensch von der Natur und unterscheidet sich von ihr. Und dieser ästhetische Zustand beginnt mit der Reflexion. Es wird quasi ‚Licht‘ im Menschen.“

Als Fazit meinte Stegmayer: „Heute haben wir ein Haus mit Tradition, das in Pullach so verankert ist, dass bei seiner Schließung wohl auch Leute protestieren würden, die das Foyer zum ersten Mal betreten!“ Auch für diesen intellektuell anspruchsvollen aber nachvollziehbaren Vortrag gab es reichlich Applaus.

Für den musikalischen Beitrag an diesem Abend sorgte Quadro Nuevo. Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund hatte sich diese Band gewünscht und damit den Geschmack und die Begeisterung der Anwesenden getroffen. Vor 10 Jahren, also zum 20ten Jubiläum des Bürgerhauses hatte man Musiker der Münchner Philharmoniker unter der Leitung von Folko Jungnitsch und gemeinsam mit dem damals 14-jährigen Geiger Elias David Moncado eingeladen.

Nach dem Konzert konnte man am Buffet den ein oder anderen Prominenten treffen. Der ungarische Dirigent Prof. Antal Barnas etwa, war aus Wien angereist, ebenso Irina Frühwirth, die langjährige Kooperationspartnerin für Jazz & More. Die international gefeierte Jazzsängerin Titilayo Adedokun war gekommen, Thomas Flach vom Metropoltheater oder Christophe Gördes, Mitbegründer der Münchner Kammeroper. Franz Schottky, Chefdirigent der Münchner Kammerphilharmonie dacapo wurde gesichtet aber auch Hans-Jürgen Stockerl, Schauspieler und Sprecher. Dr. Eckhard Klapp, Ehrenpräsident des Kulturkreises Gasteig und Faustexperte war zugegen. Kulturamtsleiterin Regine Müller aus Grünwald, Kurt Schneeweis, der Kulturverantwortliche aus Vaterstetten und Florian Nagel, neuer Kulturchef aus Unterföhring gaben sich die Ehre. Frank Striegler, Gründer der Kleinkunstbühne Leierkasten und Kindertheaterspezialist war gekommen und ebenso eine Abordnung aus dem Veranstaltungsforum Fürstenfeldbruck mit Sabine Spiewok. Bibi Johns wurde schon erwähnt. Folko Jungnitsch, Dirigent und künstlerischer Leiter des Patentorchesters München war anwesend, ebenso der Jazzpianist Horst Neher, der Bassist Claus Wagner und die Sängerin Susi Savage und viele andere.

Auch ein Großteil der BürgermeisterkandidatInnen war anwesend und nutzte das Forum für einen letzten Auftritt vor der Wahl.

Sicher ist: Für sie alle war dies ein besonders stimmungsvoller Abend.

Dr. Hannah Stegmayer
Abteilungsleitung Kultur, Bürgerhaus und Bücherei

Die Festrede der Ersten Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Bürgerhauses können Sie hier nachlesen.

03.03.2026