Anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Bürgerhauses Pullach hielt unsere Erste Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund eine Festrede, in der sie auf die bewegte Entstehungsgeschichte des Hauses, seine Bedeutung für das gesellschaftliche und kulturelle Leben in Pullach sowie die Menschen, die es geprägt haben, zurückblickte.
Liebe Pullacherinnen und Pullacher, sehr geehrte Ehrengäste, liebe Freundinnen und Freunde unseres Bürgerhauses,
30 Jahre Bürgerhaus Pullach! Das ist ein guter Anlass zum Feiern. Und auch ein guter Anlass, zurückzuschauen, aber auch den Blick nach vorne zu richten.
Als unser Bürgerhaus im April 1996 eröffnet wurde, war das ein Durchbruch. Die Planungszeit war lang, unterwegs wurde kurz vor der Realisierungsphase von der ersten Planung auf einen neuen Entwurf gewechselt, die Diskussionen waren lebhaft, die Kosten ein Thema und über die Architektur wurde ebenfalls intensiv diskutiert. Manche waren begeistert, andere skeptisch.

Heute kann ich sagen: Zum Glück haben wir dieses Haus, zum Glück haben sich die Befürworter des Baus eines Bürgerhauses nicht von kritischen Stimmen beirren lassen.
Vielleicht können sich manche von Ihnen noch erinnern: Die kulturellen Veranstaltungen fanden im Sitzungssaal des Rathauses oder in der Mittelschulturnhalle statt. Für die Vereine gab es kaum Möglichkeiten sich zu treffen, außer in den Nebenräumen der Gaststätte Gartenstadt, dem Rabenwirt oder dem Sportheim.
Auf diesem Gelände hier stand früher die Traditionsgaststätte Bürgerbräu-Terrassen, ein wichtiger Treffpunkt für Pullach. Nach dem Brand 1978 lag das Areal lange brach. Dass hier schließlich ein Bürgerhaus entstand, war das Ergebnis von Mut, Beharrlichkeit und viel Engagement.
Besonders Renate Seidel hat das Projekt mit großem Einsatz vorangetrieben und den damaligen Bürgermeister Ludwig Weber überzeugt. Er hat das Projekt schließlich zu seiner Herzensangelegenheit gemacht. Auch Odilo Helmerich und ich selbst haben damals zu den Anschiebern gehört. Ohne diesen langen Atem gäbe es dieses Haus heute vielleicht nicht.
Welche Möglichkeiten das Bürgerhaus seither geboten hat, wie diese genutzt wurden und was dies für einen kulturellen Anstoß und eine gesellschaftliche Entwicklung für unsere Gemeinde bedeutet hat, ja was hier in den vergangenen 30 Jahren passiert ist, kann sich wirklich sehen lassen.
Mit der Eröffnung begann die Erfolgsgeschichte. Wolfgang Buttmann hat als erster Kulturamtsleiter eine Mischung aus Theater, Musik und Kabarett etabliert, die bis heute das Profil des Bürgerhauses prägt.
Wolfgang Buttmann kam bereits mit großer Erfahrung von Eching nach Pullach und hat auch das Eröffnungskonzert arrangiert.
Die Geschichte vom Flug nach Hamburg, um einen Steinway Flügel auszusuchen zeigt, mit welchem Anspruch hier von Anfang an gearbeitet wurde. Der Ankauf wurde vom Verleger und Förderer Rolf Becker unterstützt.
Seit 2010 leitet die Literaturwissenschaftlerin und Kunsthistorikerin Frau Dr. Hannah Stegmayer das Bürgerhaus. Sie hat das Haus mit neuen Ideen weiterentwickelt. Qualität ist ihr wichtig, genauso wie Offenheit für Neues. Dass das Programm heute so vielfältig ist und weit über Pullach hinaus wahrgenommen wird, ist ihr und dem ganzen Team zu verdanken. Mein herzlicher Dank gilt deshalb allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Technik, Verwaltung und Organisation. Ohne sie würde hier kein Vorhang aufgehen.
Unser Bürgerhaus ist heute vieles zugleich. Es ist Kulturort, Veranstaltungszentrum, Treffpunkt für Vereine, Bühne für Profis und für lokale Akteure. Hier finden Schulveranstaltungen statt, Konzerte der Musikschule, Lesungen, Theaterabende, Kino, Tanz, Vorträge und Gemeindeveranstaltungen. Vormittags kommen Kinder ins Haus, nachmittgas Seniorinnen und Senioren, abends das breite Kulturpublikum. Diese Mischung macht den besonderen Reiz aus.
Wichtig ist dabei auch unsere Charlotte-Dessecker-Bücherei, die hier im Haus ihren festen Platz hat. Früher war sie beengt im Erdgeschoß des Rathauses untergebracht. Die Bücherei ist für viele Pullacherinnen und Pullacher ein regelmäßiger Anlaufpunkt, für Kinder, die ihr erstes Buch ausleihen, für Jugendliche auf der Suche nach Lesestoff und für Erwachsene, die sich informieren oder einfach nur in Ruhe schmökern möchten. Die Bücherei macht das Bürgerhaus tagsüber noch lebendiger und steht für Bildung und Offenheit im besten Sinne.
Kultur und Geselligkeit gehören zusammen, so lohnt sich auch ein Besuch unserer Kegelbahn. Sie wurde frisch renoviert und erfreut sich wieder großer Beliebtheit. Auch das gehört zu einem Bürgerhaus dazu, zumal es auch in den früheren Bürgerbräuterrassen eine Kegelbahn gab.
Ein großer Teil des Erfolgs liegt auch beim Publikum. Unsere Pullacherinnen und Pullacher sind interessiert, neugierig und bereit, sich auf Unbekanntes einzulassen.
Dass Künstlerinnen und Künstler gerne nach Pullach kommen und oft wiederkommen, spricht sich herum. Manche standen hier am Anfang ihrer Karriere auf der Bühne und sind inzwischen international unterwegs. Das zeigt, dass man von Pullach aus starten, wenn nicht sogar durchstarten kann.
30 Jahre Bürgerhaus, bedeutet auch 30 Jahre Engagement der Vereine, 30 Jahre ehrenamtlicher Einsatz, 30 Jahre Identifikation mit diesem Ort. Viele von ihnen verbinden persönliche Erinnerungen mit diesem Haus. Ein erstes Konzert, eine gelungene Aufführung, ein bewegter Theaterabend oder einfach ein nettes Gespräch im „Treibhaus“, das nun als „Didis Kitchen“ weiterlebt und hoffentlich genauso viel Zuspruch findet, wie sein Vorgänger.
Wenn man heute durch das Foyer geht, spürt man, dass dieses Haus fest zum Ortszentrum gehört. Es ist ein Ort der Begegnungen und des Austauschs.
Ich danke allen, die das Bürgerhaus in den vergangenen drei Jahrzehnten geprägt und getragen haben. Den Verantwortlichen von damals, den heutigen Leitungsteams, dem Gemeinderat, den Förderern, den Vereinen und natürlich Ihnen als treuem Publikum.
Lassen Sie uns das Jubiläum genießen, miteinander ins Gespräch kommen und gemeinsam auf die nächsten Jahrzehnte anstoßen. Ich bin sicher, dass unser Bürgerhaus auch weiterhin ein lebendiger und verlässlicher Ort für Kultur und Gemeinschaft bleiben wird.
Herzlichen Dank
03.03.2026
