Trauerrede Gemeinderat Eduard Floß

Pullach trauert um Eduard Floß. Die Gemeinde ist noch immer tief erschüttert. Wir können es alle noch nicht fassen, dass unser Edi nicht mehr da ist. Als sich die Nachricht von seinem plötzlichen und unerwarteten Tod in der Gemeinde verbreitete, hatte ich den Eindruck, dass die Uhren stehen blieben. Wo immer man hinkam, die Menschen erzählten sich von den letzten Begegnungen mit ihm.

Auch ich hatte sofort unsere Gespräche nach den letzten Gemeinderatssitzungen im Kopf. Oder ich dachte an unsere gemeinsame Teilnahme an der Fronleichnamsprozession und den gemütlichen Ausklang in der Waldwirtschaft. Hier saßen wir uns gegenüber und redeten über vieles, was uns beide bewegte. Edi erzählte von seinen Plänen, jetzt wo er das Geschäft im letzten Herbst an die Nachfolger übergeben hatte. Da gab es viele kleine und große Dinge, die vor ihm lagen. Ein neuer Lebensabschnitt wartete auf ihn und es war zu spüren, dass dieser schon ganz intensiv begonnen hatte.

Ausgestattet mit dem Lebenselixier Familie und Familienbetrieb war Eduard Floß für mich immer ein ausgeglichener und lebensfroher Mensch. Wo er auch war: seine positive Stimmung ist sofort übergesprungen. Dazu waren keine Worte nötig.

Glücklich war er, seinen Beruf so intensiv erlebt und jetzt auch abgeschlossen zu haben. Mit aller Ernsthaftigkeit war er bei der Sache, seine Kreativität lebte er aus und Entbehrungen nahm er gelassen hin – die dauernde Präsenz, das frühe Aufstehen, die Verantwortung für die Mitarbeiter.

Für die Pullacher gehörte die Bäckerei Floß einfach dazu. Bei der Einkaufsrunde „im Dorf“ – wie der Ortskern manchmal heute noch genannt wird – war dieses Geschäft fester Bestandteil. Die Eltern hatten den Laden 1956 übernommen und Edi hat ihn 1984 nach dem Tod des Vaters fortgeführt, ganz in der Tradition aber mit vielen fortschrittlichen Ideen.

Dass sein Backwerk so beliebt war, hat viel mit seiner Persönlichkeit zu tun. Mit seinem Verständnis von Berufsehre: Er setzte auf echtes, ehrliches Handwerk, auf gute Zutaten. Und wer sich einmal mit ihm über das Backen und über seine Semmelanlage aus der Halleschen Bäckereimaschinen- und Ofenfabrik unterhalten hat, der weiß auch, wie viel Herzblut er in seine Arbeit steckte Erleichtert war er, einen guten, handwerklich und ökologisch arbeitenden Nachfolgebetrieb gefunden zu haben.

Sein Anker war die Familie: Er war sehr stolz auf euch: Seine Frau, liebe Gabi, seine Kinder, seine Geschwister. Auch die Elterngeneration hatte ihren festen Platz. Wer kann sich nicht an die gute Seele des Ladens erinnern. Die Mama des Geschäfts gehörte dazu, auch als sie eigentlich schon längst im Ruhestand war. Sie stand aber immer noch gerne hinter der Theke. Sie liebte es die Kunden freundlich zu bedienen. 

Gefreut hat sich Edi Floß auf den neuen Lebensabschnitt ab Übergabe des Geschäfts und er war erleichtert. Endlich nicht mehr um zwei Uhr aufstehen. Am Abend einfach noch etwas sitzen bleiben, Reisen planen, Zeit mit der Familie haben.

Er wollte auch mehr Zeit haben für die Gemeinde, die vielen Themen im Gemeinderat für die Aktivitäten der Vereine und für seine Pullacher Heimat, die er so lange mitgestaltet hat als Mitglied des Gemeinderates seit 2002 und als Dritter Bürgermeister von 2008 bis 2014.

Wir alle hätten ihm mehr Zeit gewünscht. Wir können dennoch auch Kraft schöpfen, wenn wir an Edi Floß und seinen Optimismus, seine lebensbejahende Art denken.

Wir haben Eduard Floß als bescheidenen, feinen Menschen erlebt. Er stellte sich nie in den Mittelpunkt. Eine wohl durchdachte Meinung hatte er dennoch immer und er vertrat sie auch – auf seine Weise. Ich habe nie ein lautes Wort von ihm gehört, ihn nie unfreundlich erlebt. Und allen begegnete er auf Augenhöhe. Das schätzten die Gemeinderatskollegen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rathaus gleichermaßen an ihm.

Wir nehmen Abschied von einem Menschen, ohne den sich viele Pullach gar nicht recht vorstellen können. Er wird uns allen sehr fehlen. Wir werden Eduard Floß in ehrendem Gedenken behalten. Seiner Familie gilt mein tiefstes Mitgefühl, meine Gedanken sind ganz bei euch.