Am vergangenen Freitag, den 30. Oktober, stand ein besonderer Termin für einen unserer ältesten und traditionsreichsten Vereine im Ort an: Die Fahnenweihe der restaurierten Fahne der Soldatenkameradschaft. Dem historischen Anlass entsprechend fand die Segnung im feierlichen Rahmen einer Andacht von Pfarrer Wolfgang Fluck in der alten Heilig-Heist-Kirche statt. Mit dabei waren verschiedene Fahnenabordnungen der Pullacher Vereine – die Freiwillige Feuerwehr, der Schützenverein Schwaneck, der Heimat und Trachtenverein D’Hochleitner und der Burschenverein – ebenso der Patenverein der Soldatenkameradschaft aus Forstenried. Anschließend wurde im Sportheim bei gutem Essen, Bier vom Fass und Blasmusik gefeiert.

Es war bereits die dritte Fahnenweihe in diesem Jahr. Den Anfang machten die Pullacher Burschen mit ihrer neuen Fahne im Juli beim Festwochenende „Pullacher feiert“. Anschließend folgte die Segnung der restaurierten Fahne der Freiwilligen Feuerwehr beim Tag der Offenen Tür im September und nun war auch die Soldatenkameradschaft an der Reihe. Es ist großartig, dass wir diese symbolträchtige und wertvolle bayerische Tradition im Ort aufrechterhalten.
Dass die Fahne überhaupt restauriert werden konnte, ist einem glücklichen Zufall zu verdanken. Die Pullacher Burschen gaben ihre neue Fahne bei der Firma Kössinger in Auftrag. In diesem Zusammenhang erfuhr das spezialisierte Unternehmen auch von der Fahne der Soldatenkameradschaft und nahm sich der aufwendigen Restaurierung an.

Die historische Fahne stammt aus dem Jahr 1916. Sie zeigt auf der einen Seite das Kreuz von Saarburg in Lothringen, das im 1. Weltkrieg besondere Bedeutung erlangte, und auf der anderen Seite das Bayerische Wappen mit dem Löwen. Wie der Verein selbst hat die Fahne eine bewegte Geschichte hinter sich – umso schöner, dass sie nun im neuen Glanz erstrahlt.
Die Soldatenkameradschaft wurde 1914 gegründet. Sie ist also unwesentlich älter als die Fahne, an deren Restaurierung sich die Gemeinde als Zeichen der Wertschätzung finanziell beteiligt hat. Ursprünglich ging es für den Verein hauptsächlich um die Bewältigung von Verlust, Trauer und Elend – verursacht durch die beiden Weltkriege. Auch wenn sich die Zeiten geändert haben, steht die Soldatenkameradschaft noch heute für Kameradschaft, Solidarität und sozialen Zusammenhalt. Die Fahne ist dabei ein Zeichen für den Frieden. Der Verein trägt weiter maßgeblich dazu bei, wichtige Erinnerungen im Ort am Leben zu erhalten und das Andenken an alle Opfer von Krieg, Vertreibung, Verfolgung und Gewaltherrschaft zu bewahren.

Mein Dank gilt allen, die sich bei der Gestaltung und der Umsetzung des Festaktes vergangenen Freitag beteiligt haben. Besonders hervorheben möchte ich Heinrich Fischer, der den Verein als 1. Vorsitzender schon seit vielen Jahren mit großem Einsatz führt. Für sein ausgeprägtes ehrenamtliches Engagement in Pullach bekam er von der Gemeinde 2024 die Goldene Ehrennadel verliehen. Beim anstehenden Volkstrauertag am 15. November wird Heinrich Fischer bereits zum zwölften Mal eine der Gedenkreden halten. Seine inspirierenden Gedanken gepaart mit seinem historischen Wissen sind immer eine große Bereicherung. Diesmal wird dabei dann auch die neu gesegnete Fahne zu bewundern sein.

Ich lade Sie herzlich ein, am Volkstrauertag in unserer Gemeinde teilzunehmen, um gemeinsam den Opfern von Hass, Krieg und Gewalt zu gedenken. Zunächst finden wie gewohnt um 10 Uhr die Gottesdienste in der Hl. Geist Kirche und der Jakobuskirche statt. Anschließend treffen wir uns um 11 Uhr mit den Pullacher Vereinen und allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern am Josef-Breher-Platz, um begleitet von der Pullacher Blasmusik zur Gedächtnisstätte zu ziehen. Dort findet dann um 11.20 Uhr unsere gemeinsame Gedenkfeier mit den Kirchen statt. Im Anschluss treffen wir uns zum traditionellen Weißwurstessen im Sportheim. Um eine Anmeldung vorab per E-Mail an volkstrauertag@pullach.de wird gebeten. Abgerundet wird der Volkstrauertag dann mit einem Abend-Gottesdienst um 18 Uhr in der Jakobuskirche.
Mit den besten Grüßen
Ihre Christine Eisenmann
Erste Bürgermeisterin
03.11.2026
