Als ich 1984 das erste Mal in den Gemeinderat gewählt wurde, war ich gerade einmal 21 Jahre alt. Viel ist seither geschehen. Heute, nach 12 Jahren, die ich Bürgermeisterin unserer Gemeinde sein durfte, wende ich mich ein letztes Mal in dieser Funktion an Sie.
Intensive und fordernde Wochen des Wahlkampfs liegen hinter uns. Viele Menschen haben sich in dieser Zeit mit großem Engagement, überwiegend mit Fairness und Sachlichkeit für die Zukunft unserer Gemeinde positioniert. Für diese lebendige demokratische Beteiligung bedanke ich mich herzlich. Aufgrund meines Unfalls mit kompliziertem Beinbruch konnte ich mich in den entscheidenden Wochen nur eingeschränkt einbringen. Umso dankbarer bin ich für die vielfältige Unterstützung, die ich in dieser Zeit erfahren habe.


Susanna Tausendfreund kurz vor ihrer Wahl zur Ersten Bürgermeisterin (li.) und beim letzten offiziellen Fotoshooting als Erste Bürgermeisterin.
Die neue Amtszeit beginnt am 1. Mai. Die Übergabe der Amtsgeschäfte an meine Nachfolgerin Christine Eisenmann ist erfolgt. Die Konstituierung des neuen Gemeinderats findet in den nächsten Tagen statt.
Der neu gewählte Gemeinderat wird von erfahrenen, aber auch von neuen Mitgliedern geprägt sein. Einige langjährige Gemeinderätinnen und Gemeinderäte scheiden aus dem Gremium aus. Ihnen allen gilt mein ausdrücklicher Dank für ihren Einsatz für unsere Gemeinde über viele Jahre hinweg. Ich selbst werde dem neuen Gemeinderat nicht mehr angehören. Nach 40 Jahren im Gemeinderat, davon 12 Jahren als Erster Bürgermeisterin, habe ich mich entschieden, einen klaren Schnitt zu machen. Auch wenn ich mir gewünscht hätte, meine Arbeit als Bürgermeisterin in den nächsten sechs Jahren fortsetzen zu dürfen und die vielen Projekte und Entwicklungen weiter begleiten zu können, gehört es für mich zu einer respektvollen Amtsübergabe, nicht als ehemalige Bürgermeisterin alle zukünftigen Schritte der neuen Amtsinhaberin aus dem Gemeinderat heraus zu kommentieren. Gleichzeitig beginnt damit für mich aber auch ein neuer Lebensabschnitt. Darauf freue ich mich. Hier werden sich neue Türen öffnen.
Wenn ich auf die vergangenen Jahre zurückschaue, erfüllt mich Dankbarkeit und Stolz auf das, was wir gemeinsam erreicht haben. Unsere Verwaltung habe ich neu strukturiert und zusammen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern konsequent weiterentwickelt. Auch die Digitalisierung hat Einzug erhalten. Nicht als Selbstzweck, sondern um als Gemeinde effektiv, schnell und bürgernah arbeiten zu können.
Wir haben den Ort sicher durch unerwartete Krisen geführt, Unterbringung von Geflüchteten, die Coronapandemie und in den letzten Jahren die Auswirkungen des Kriegs gegen die Ukraine. Wieder waren Wohnmöglichkeiten nötig. Hinzu kam die Unsicherheit bei der Energieversorgung. Der Zusammenhalt des ganzen Orts und das große Engagement vieler Ehrenamtlicher sind bei solchen Situationen entscheidend.
Aufgrund des Klimawandels und der weltpolitischen Situation sind auch die Anforderungen an Sicherheitsvorkehrungen drastisch gestiegen. Mit Konzepten zur Klimafolgenanpassung, zum Zivil- und Katastrophenschutz und einer gut aufgestellten Feuerwehr haben wir wichtige Grundlagen für die Zukunft geschaffen.
Besonders lag mir immer am Herzen, gute Rahmenbedingungen für Kinder und Jugendliche zu schaffen. Dazu gehört ein ausreichendes Angebot bei der Kinderbetreuung. Dieses haben wir kontinuierlich ausgebaut: etwa durch die Erweiterung der Kita Mäuseburg, durch die Gewinnung des neuen Trägers „Kinderland“ für den Drachenhügel, jetzt Kinderland Pullach. Durch zwei zusätzliche Horte: den Hort auf den Seitnerfeldern, der seit Schulstart 2021 in Betrieb ist und einen weiteren Hort, der aktuell auf dem Grundstück an der Bahnhofstraße 8 entsteht. Mit einer neuen Kita in der Kreuzeckstraße haben wir zudem wichtige Weichen für die kommenden Jahre gestellt und ermöglichen den dringend nötigen Neubau am Standort der Mäuseburg in der Margarethenstraße. Alle Vorbereitungen hierfür sind getroffen. Ich bin gespannt auf die Entscheidungen im neuen Gemeinderat.
Auch im schulischen Bereich stehen wir vor großen Herausforderungen. Die räumliche Situation ist angesichts knapper Flächen in unserer Gemeinde seit Jahren angespannt. Erweiterungsmöglichkeiten sind nur sehr begrenzt vorhanden und erfordern daher umfassende Abwägungen. Um dennoch kurzfristig Verbesserungen zu erreichen, konzentrieren wir uns zunächst auf die Sanierung und Aufstockung der Grundschule. So kann relativ kurzfristig dringend benötigter zusätzlicher Raum geschaffen werden. Klar ist jedoch: Die Sicherstellung ausreichender und zeitgemäßer Schulräume wird auch in den kommenden Jahren eine zentrale Aufgabe für die Gemeinde bleiben.
Für ein „gutes Aufwachsen“ sind auch die Freizeitangebote entscheidend. Mit der neuen Jugendfreizeitstätte, dem Jugendhaus inklusive neuem Skatepark und Sportanlagen, die aktuell auf dem Areal des alten Skateparks entstehen, können sich die Jugendlichen im Ort ab dem Frühjahr 2027 endlich auf ausreichend Platz und eine ganz neue Qualität der Freizeitgestaltung freuen. Anschließend kann die Sanierung und Aufstockung des Sportheims in Angriff genommen werden. Mit der Wiederbelebung des Jugendparlaments, regelmäßigen Jugendbürgerversammlungen sowie Jugend-Festivals haben wir zudem Räume für Mitgestaltung geschaffen, die sehr gut angenommen werden.
Auch im sozialen Bereich konnten wir viel bewegen. Es wurden 55 neue, geförderte Wohnungen geschaffen. In der Hans-Keis-Straße 37 entstehen neben Wohnungen eine Tagespflege für Seniorinnen und Senioren mit 17 Plätzen. Am 23. April haben wir das Richtfest des Gebäudes gefeiert, das eine wichtige Lücke in der Versorgung unserer Bevölkerung schließt. Für ältere Menschen und das Ehrenamt haben wir ebenfalls wichtige Impulse gesetzt. Die Nachbarschaftshilfe wurde professionalisiert und zwei Hauptamtliche in Teilzeit übernehmen nun die Koordinations- und Büroarbeit.
In den vergangenen 12 Jahren konnte zudem die Infrastruktur und Mobilität im Ort nachhaltig verbessert werden: neue Brücken und sichere Querungen wurden geschaffen, wie die Brücke über die B11 auf Höhe der Waldstraße, der neue Übergang für Fuß- und Radverkehr über die B11 an der Pater-Augustin-Rösch-Straße, die Verbindung zum Link-Geräumt und die neue Brücke über den Kanal beim Gewerbepark. Die Lärmschutzwand entlang der B11 schützt viele Bürgerinnen und Bürger vor der übermäßigen Belastung durch Verkehrslärm. Die Gemeinde wurde als fahrradfreundliche Kommune anerkannt und ein Radverkehrskonzept liegt umsetzungsbereit vor. Der neue Busbahnhof in Höllriegelskreuth und die Umstellung auf E-Busse sind sichtbare Zeichen für die vorangetriebene Verkehrswende in Pullach. Gleichzeitig haben wir uns mit Zukunftsfragen wie einer möglichen Fuß- und Radwegverbindung nach Grünwald beschäftigt. Mit der Sanierung und Weiterentwicklung des Gewerbeparks haben wir wichtige wirtschaftliche Rahmenbedingungen für das Pullacher Handwerk geschaffen.
Wesentliche Fortschritte konnten wir im Klimaschutz erzielen: Der Ausbau der Geothermie wurde vorangetrieben. Die Tiefenwärme der „Innovativen Energie Pullach“ (IEP) deckt inzwischen 70 Prozent des Pullacher Wärmebedarfs ab. Bis 2027 soll jede Straße in Pullach, bei der es technisch möglich ist, erschlossen werden. Der Bürgerwindpark im Forstenrieder Park wird nach langjähriger Vorbereitung gerade gebaut. Es entstehen sechs Windenergieanlagen, die ab 2027 Ökostrom mit einer Gesamtleistung von 33 Megawatt für umgerechnet 20.000 Haushalte und den Betrieb der Geothermie-Pumpen der IEP liefern werden. Das entspricht einer Einsparung von rund 27.000 Tonnen CO₂ pro Jahr bei der Stromerzeugung.
Im Rahmen unserer Solar-Offensive hat die IEP darüber hinaus im Auftrag der Gemeinde zahlreiche kommunale Dächer mit Photovoltaik ausgestattet. Acht Anlagen auf kommunalen Dächern mit insgesamt etwa 550 Kilowatt-Peak (kWp) Leistung wurden seither errichtet. Sie sparen jährlich rund 22.500 Euro Kosten für die Gemeinde ein und 300 Tonnen an CO2-Ausstoß. Außerdem sind die Gebäude der Wohnbau in der Hans-Keis-Straße mit Anlagen mit einer Leistung von etwa 650 kWp bestückt. Das sind noch einmal rund 300 Tonnen CO2-Einsparung pro Jahr. Die Gesamtstromerzeugung von 1,2 Gigawattstunden pro Jahr ist mehr als alle kommunalen Gebäude plus die neue LED-Straßenbeleuchtung verbrauchen.
Das Pullacher Klimaschutzprogramm mit 30 Förderbausteinen liefert den Pullacher Bürgerinnen und Bürgern Anreize, auch im Privaten den Klimaschutz zu fördern und dabei Geld zu sparen. Seit 2019 wurden über zwei Millionen Euro an Fördergeldern ausgereicht. Zuschüsse für Photovoltaikanlagen sind übrigens am gefragtesten.
Zum Klimaschutz gehört auch der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen: Mit dem Ankauf von Waldflächen und der Entwicklung eines Naturwaldes haben wir die Artenvielfalt unterstützt und die Aufenthaltsqualität im Wald verbessert. Bei Neupflanzungen werden inzwischen klimaresistente Baumarten ausgewählt.
Die Geschichtsarbeit sowie unsere Partnerschaften mit Baryschiwka/Beresan in der Ukraine und Pauillac in Frankreich waren für mich immer ein besonderes Anliegen. Sieben Bände der Pullacher Schriftenreihe sind in meiner Amtszeit entstanden und für jede Pullacherin und jeden Pullacher mit Interesse für die Geschichte des eigenen Wohnorts eine Herzensempfehlung. Die Bücher können im Rathaus erworben werden.
Die kommunalen Partnerschaften hat Pullach schon immer intensiv und verantwortungsvoll gelebt. Seit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine hat sich die Partnerschaft mit Baryschiwka/Beresen natürlich grundlegend verändert. Gemeinsam mit dem Partnerschaftenverein haben wir stets versucht zu helfen, wo wir können. Sei es mit dringend nötigen Spenden, technischem Gerät und Ausstattung für Schulen und Krankenhäuser, Kommunalfahrzeugen oder der Unterstützung bei der Unterbringung und Integration von Geflüchteten im Ort. Ich hoffe sehr, dass dieses Engagement für unsere ukrainischen Freundinnen und Freunde aufrechterhalten wird.
All dies wäre nicht möglich gewesen ohne die engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – im Rathaus, im Bürgerhaus und der Bücherei, im Freizeitbad, im Bauhof sowie bei den gemeindlichen Gesellschaften – sowie den Einsatz der Gemeinderatsmitglieder. Ihnen allen gilt mein besonderer Dank.
Meiner Nachfolgerin und allen gewählten Gemeinderatsmitgliedern gratuliere ich herzlich und wünsche ihnen eine glückliche Hand bei den anstehenden Entscheidungen. Pullach verfügt über beste Voraussetzungen für eine gute Zukunft: solide Finanzen, eine innovative Energieversorgung, eine lebendige und vielfältige Gesellschaft, kulturelle Strahlkraft, sozialen Zusammenhalt und großes ehrenamtliches Engagement. Ich hoffe sehr, dass diese Chancen gemeinsam genutzt und die erreichten Fortschritte weitergeführt und nicht zurückgedreht werden.
Nun danke ich Ihnen allen – für Ihr Vertrauen, Ihre Unterstützung und Ihre Mitwirkung über all die Jahre hinweg. Es war mir eine große Ehre, für unsere Gemeinde arbeiten und wirken zu dürfen.
Es grüßt Sie herzlich
Ihre Susanna Tausendfreund
Erste Bürgermeisterin
30.04.2026
