„Bavaria ruft“-Roadshow in Pullach: Inspirierender Austausch unter politisch interessierten Frauen

Am Montag, 10. November 2025, führte der Ruf der Bavaria politisch interessierte Frauen ins Pullacher Rathaus. Erste Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund lud zum Pullacher Roadshow-Stopp der überparteilichen Initiative „Bavaria ruft“ ein. Ziel der Initiative ist es, mehr Frauen für ein politisches Amt zu gewinnen, insbesondere auf kommunaler Ebene.

Barbara Bogner, Erste Bürgermeisterin der Gemeinde Sauerlach (UBV), Mindy Konwitschny, Erste Bürgermeisterin der Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn (SPD) und Christine Borst, Altbürgermeisterin der Gemeinde Krailling (CSU), folgten ihrer Einladung, genauso wie die Pullacher Bürgermeister-Kandidatinnen Ulrike Barth (SPD) und Christine Eisenmann (CSU).

Geballte Frauenpower im Pullacher Rathaus bei der Roadshow von „Bavaria ruft“.

Katharina Schulze (Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN im Bayerischen Landtag), die samt Nachwuchs kam, und Sabine Appelhagen (Präsidentin des Vereins „FidiP – Frauen in die Politik“) stellten eingangs die Initiative vor. Im Anschluss tauschten sich die politisch engagierten Frauen unter der Moderation der Pullacher Gemeinderätin Caroline Voit (Pullach Plus) unter anderem über ihre Erfahrungen, Hürden für Frauen in politischen Ämtern, Verbesserungen über die Jahre und den Mehrwert von Frauen in der Politik aus.

Pullachs Erste Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund mit FidiP-Präsidentin Sabine Appelhagen.

Susanna Tausendfreund berichtete bei der Talkrunde, dass es 1984, als sie in die Politik ging, nicht einfach war, einen Hort in Pullach durchzusetzen. Kinderbetreuung war damals noch ein ganz anderes Thema als heute. Der Gemeinderat war von älteren Herren dominiert, Mietverträge von der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft mit Ehepaaren wurden nur von den Männern unterschrieben. Aber ihre gute Nachricht: „Bei der Stärkung von Frauen- und Familienrechten hat sich in Pullach seitdem einiges getan!“

Barbara Bogner klärte über die Geschlechterverhältnisse im Sauerlacher Gemeinderat auf: Dort sitzen aktuell mit ihr als Bürgermeisterin vier Frauen – so wenige wie noch nie. Das liegt ihrer Meinung nach daran, dass Frauen keine Frauen wählen. Daher ihr Appell „Kreuzens nur Frauen an, ich sags Ihnen, dass die reinkommen!“ Die Wichtigkeit von Frauen in der Politik begründet sie unter anderem damit, dass sie andere Perspektiven mit einbringen, weil sie mit mehr Alltagsdingen befasst sind.

Mindy Konwitschny ist Vierfachmutter und stellte klar: „Ohne einen Partner, der das trägt oder mitträgt, geht es nicht!“ Ihre Kinder sind heute dankbar für die viele Papazeit. Sie unterstrich, dass Väter diese Verantwortung an ein paar Abenden pro Woche super übernehmen können – vor allem, wenn die Frauen sich nicht einmischen und davon die ganze Familie profitiert.

Christine Borst war aufgrund einer Verletzung per Video zugeschaltet. Sie betonte, wie wichtig es ist, auf sich zu achten, da die Politik einem sehr viel abverlangt mit langen Abenden und vielen Wochenendeinsätzen. Als sie 2008 zur Bürgermeisterin gewählt wurde, waren in den fünf Würmtal-Gemeinden vier Bürgermeisterinnen und ein „Quotenmann“ im Amt. Den hätten sie und die anderen Bürgermeisterinnen „gehegt und gepflegt. Und was war dann? Am Ende der Periode ist er Landrat geworden und wir sind Bürgermeisterinnen geblieben.“

Ulrike Barth, die jüngst für die SPD in den Pullacher Gemeinderat nachgerückt ist und in Pullach für das Bürgermeisteramt kandidiert, bestätigte, dass die langen Sitzungen anstrengend sind, weil sie auch Vollzeit arbeitet. Besonders spannend an der Kommunalpolitik findet sie, dass man etwas am eigenen Wohnort bewegen kann: „Die Entscheidungen hier haben Einfluss auf mein Leben in dem Ort, in dem ich bin und das machts einfach wirklich spannend.“

Christine Eisenmann, Pullacher Gemeinderätin und Bürgermeisterin-Kandidatin der CSU, zeigte sich optimistisch, dass in sechs Jahren auf der Liste der CSU sehr viele Frauen stehen werden. Sie habe mit sehr vielen Frauen gesprochen, um sich ihr Team zu bilden und ist überzeugt: „Es muss bei den Frauen ein bisschen nachwirken.“ Sie gab zu, dass auch sie vom ehemaligen Bürgermeister zweimal gefragt werden musste, ob sie nicht für den Gemeinderat kandidieren will.

Knapp 50 Frauen nahmen an der Veranstaltung im frisch renovierten großen Sitzungssaal teil und stellten spannende Fragen, sodass sich ein reger Austausch entwickelte. Währenddessen gab es im kleinen Sitzungssaal passend zum Thema eine lebendige Parallelveranstaltung – eine betreute Kinderecke, die an diesem Abend für Vereinbarkeit sorgte und von Katharina Schulze und einigen weiteren Müttern dankbar angenommen wurde. Vielleicht hat dort ja der politische Nachwuchs für die Legislaturperiode ab 2032 gespielt – die Talkrunde wurde nämlich über die neue Technik direkt in den Spielbereich gestreamt, sodass die Kinder mittendrin statt nur dabei waren.