Am vergangenen Freitag haben wir im Bürgerhaus 70 Jahre Bundesnachrichtendienst gefeiert. Durch den Jubiläumsabend führte BND-Kommunikationsdirektor Martin Heinemann. Höhepunkt des Abends waren die Ansprachen der hochkarätigen Redner.
Der Präsident des Bundesnachrichtendienstes Martin Jäger betonte, dass der BND mit seinem Hochtechnologiestandort selbstverständlich seinen Platz in Pullach hat: „Hier konzentrieren wir unsere Technische Beschaffung. Hier konzentrieren wir große Elemente unserer IT. Hier konzentrieren wir einen eigenen Arbeitsbereich für Forschung und Innovation. Hier gestalten wir die Technische Zukunft des BND. Mehr noch: Das Gelände beiderseits der Heilmannstraße wird zu einem zweiten Dienstsitz ausgebaut. Der Standort wird damit als essenzieller Pfeiler für die operative Durchhaltefähigkeit des BND gestärkt. Pullach ist also kein Relikt der Vergangenheit, sondern ein strategischer Anker für Gegenwart und Zukunft. Ich freue mich sehr, dass das Verhältnis zwischen uns, zwischen der Gemeinde und dem BND, inzwischen sehr freundlich, sehr verbindlich und sehr belastbar ist.“

Josef Schmid würdigte bei einem seiner ersten Termine als neuer Bayerischer Staatsminister der Justiz, MdL, das Bekenntnis des BND zu Bayern mit der Stärkung des Standorts Pullach. Er betonte, dass der BND mehr denn je gebraucht wird und zur Abwehr neuer Bedrohungen gewappnet werden muss, um unsere freiheitliche, demokratische Gesellschaftsform zu verteidigen: „Wenn wir schon erkennen, dass wir bedroht sind, […], dann meine ich, es ist dringend an der Zeit, dass wir uns auch im Bereich der Dienste aufrüsten, dass wir Waffengleichheit herstellen und dass wir uns verteidigungsfähig machen.“
70 Jahre BND sind gleichzeitig 70 Jahre Verantwortung für unser Land und aus Sicht der Gemeinde 70 Jahre einer ganz besonderen Nachbarschaft. Eine Nachbarschaft, über die es viel zu erzählen gibt. Und gleichzeitig eine, über die man vieles eben nicht erzählen kann. Beides gehört seit jeher zu unserer besonderen Verbindung.
Wenn man als Pullacherin oder Pullacher irgendwo in Deutschland sagt, wo man wohnt, braucht es oft gar keine weitere Erklärung. „Pullach.“ – „Ach ja – der BND.“ Damit ist eigentlich schon alles gesagt. Und nichts. Diese spezielle Mischung aus Nähe und Distanz begleitet uns seit nunmehr sieben Jahrzehnten.


Ein symbolischer Austausch: Martin Jäger schenkte unserer Ersten Bürgermeisterin Christine Eisenmann Martin Schlüters Bildband „Nachts schlafen die Spione“, sie überreichte ihm Rotwein aus Pauillac und Pullacher-Wappengläser.
Der BND war für Pullach immer sehr präsent und doch weitgehend unsichtbar. Wir wissen, dass hinter den Mauern Menschen arbeiten, deren Aufgaben mitunter die große Weltpolitik betreffen – und die gleichzeitig mit ihren Familien hier leben und Teil unserer Gemeinde sind. Und wir sind auch ein bisschen stolz darauf, schon lange und nach wie vor ein wichtiger Standort für den BND zu sein.
Natürlich kommt es zu der einen oder anderen kleinen Kuriosität, wenn man einen Geheimdienst quasi vor der Haustür hat. Denselben Geburtstag zweimal zu feiern ist eine davon. 2017 haben wir hier 70 Jahre Nachrichtendienstgeschichte am Standort Pullach gefeiert. Gerechnet ab dem Einzug der „Organisation Gehlen“ unter dem Decknamen „Camp Nikolaus“ als Vorläufer des heutigen BND. Vergangenen Freitag blickten wir erneut auf 70 Jahre zurück. Diesmal auf 70 Jahre Bundesnachrichtendienst als offizielle Bundesbehörde.
Der BND ist aber nicht nur zu solchen Feierlichkeiten im Bürgerhaus präsent. Im Gegenteil: Er wird in beinahe jedes kabarettistische Programm der Künstlerinnen und Künstler, die dort auftreten, eingebunden. Zurecht. Denn wir haben im Bürgerhaus manchmal mit technischen Problemchen zu kämpfen, die schwer zu erklären sind. Da liegt der Gedanke an den großen, abgeschirmten Nachbar mit seinen Störsendern nahe.


Für musikalische Begleitung sorgten Cellist Tzu-Shao Chao, das „Duo Marimba“ der Musikschule Pullach, Sebastiano Caglio (r.) und Julius Heupel sowie das Jazz-Trio Horst Neher (Piano), Markus Wagner (Bass) und Susanna Savage (Gesang), die an der Musikschule Pullach unterrichten.
Ein kleines Augenzwinkern ist also ein wesentliches Merkmal unserer Nachbarschaft. Aber dahinter steht etwas sehr Ernstes. Der Bundesnachrichtendienst ist hier 1956 in einer Zeit offiziell gegründet worden, in der Europa – und auch Deutschland – geteilt waren. Die Sicherheit der Bundesrepublik hing damals ganz wesentlich auch von Informationen über Entwicklungen jenseits des „Eisernen Vorhangs“ ab. Wie passend, dass wir am Tag nach der Veranstaltung, am 3. Oktober, den Tag der Deutschen Einheit gefeiert haben. Für viele Menschen ist er vor allem ein Feiertag, an dem man nicht arbeiten muss. Für andere ist er eine Erinnerung an eine Zeit, in der Deutschland tatsächlich geteilt war. Und für manche derer, die am Freitagabend im Bürgerhaus anwesend waren, ist er Teil ihrer ganz persönlichen Lebensgeschichte.
Genau an dieser Stelle treffen persönliche Erinnerung, deutsche Geschichte und die Geschichte Pullachs aufeinander. Hier in unserer Gemeinde wird seit Jahrzehnten nachrichtendienstliche Arbeit für die Sicherheit der Bundesrepublik geleistet. In dieser Zeit hat Deutschland sich verändert. Europa und die ganze Welt haben sich verändert. Und damit natürlich auch der Bundesnachrichtendienst. Ein großer Teil des Dienstes ist nach Berlin gegangen. Ein Teil ist in Pullach geblieben.

Vielleicht ist das auch ein passendes Bild für eine 70-jährige Nachbarschaft. Sie bleibt nicht gleich, sie verändert sich. Menschen ziehen weg. Neue kommen hinzu. Gebäude verändern sich. So hat sich auch diese besondere Verbindung zwischen BND und Gemeinde verändert.
Ich finde es deshalb besonders schön, dass wir am Freitagabend im Bürgerhaus zusammengekommen sind. Nicht hinter einer Mauer. Nicht an einem geheimnisvollen Ort. Sondern mitten in unserer Gemeinde. Menschen aus Pullach und Menschen aus dem Bundesnachrichtendienst konnten sich persönlich austauschen. Die Nachbarschaft durfte an diesem Abend einmal ganz offiziell Nachbarschaft sein. Ein passendes Bild für die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte, in denen der BND sich im Rahmen seiner Möglichkeiten geöffnet hat.
Die Arbeit des BND an sich kann natürlich nicht öffentlich sein. Aber die Menschen, die sie leisten, gehören zu unserer Gesellschaft. Und wir als Gemeinde wissen ihre Arbeit für die Gesellschaft sehr zu schätzen. Gerade in einer Zeit, in der Fragen von Sicherheit und Freiheit bedauerlicherweise wieder sehr viel stärker in den Mittelpunkt rücken.
Mit den technischen Möglichkeiten haben sich die Bedrohungen verändert. Die Grenzen zwischen Frieden und Konflikt sind komplizierter geworden. Geblieben ist aber die Verantwortung, Gefahren frühzeitig zu erkennen und einen Beitrag dazu zu leisten, dass unser Land frei, sicher und handlungsfähig bleibt. Dafür sage ich unserem Nachbarn ausdrücklich Danke und gratuliere dem Bundesnachrichtendienst im Namen der Gemeinde Pullach sehr herzlich zu seinem 70-jährigen Bestehen.
Allen, die heute und in Zukunft Verantwortung im BND übernehmen, wünsche ich Kraft, Erfolg und eine glückliche Hand bei ihrer wichtigen Aufgabe. Und uns wünsche ich, dass das bestehen bleibt, was über sieben Jahrzehnte gewachsen ist: eine gute, respektvolle Nachbarschaft, deren nächste Entwicklungen nicht immer vorhersehbar sind.
Mit den besten Grüßen
Christine Eisenmann
Erste Bürgermeisterin
Fotos: BND
06.10.2026
