Rede der Ersten Bürgermeisterin Christine Eisenmann zu 70 Jahren BND

Vielen Dank für die Begrüßung, sehr geehrter Herr Heinemann, und auch von meiner Seite im Namen der Gemeinde Pullach herzlich willkommen hier im Pullacher Bürgerhaus.

Wir feiern 70 Jahre Bundesnachrichtendienst, 70 Jahre Verantwortung für unser Land – und gleichzeitig 70 Jahre einer ganz besonderen Nachbarschaft.

Eine Nachbarschaft, über die es viel zu erzählen gibt. Und gleichzeitig eine, über die man vieles eben nicht erzählen kann. Beides gehört seit jeher zu unserer besonderen Verbindung. Wenn man als Pullacherin oder Pullacher irgendwo in Deutschland sagt, wo man wohnt, braucht es oft gar keine weitere Erklärung.„Pullach.“ – „Ach ja – der BND.“ Damit ist eigentlich schon alles gesagt. Und nichts.

Diese spezielle Mischung aus Nähe und Distanz begleitet uns seit nunmehr sieben Jahrzehnten. Der BND war für Pullach immer sehr präsent und doch weitgehend unsichtbar. Wir wissen, dass hinter den Mauern Menschen arbeiten, deren Aufgaben mitunter die große Weltpolitik betreffen – und die gleichzeitig mit ihren Familien hier leben und Teil unserer Gemeinde sind. Und wir sind auch ein bisschen stolz darauf, schon lange und nach wie vor ein wichtiger Standort für den BND zu sein.

Natürlich kommt es zu der einen oder anderen kleinen Kuriosität, wenn man einen Geheimdienst quasi vor der Haustür hat. Denselben Geburtstag zweimal zu feiern ist eine davon. 2017 haben wir hier 70 Jahre Nachrichtendienstgeschichte am Standort Pullach gefeiert. Gerechnet ab dem Einzug der „Organisation Gehlen“ unter dem Decknamen „Camp Nikolaus“ als Vorläufer des heutigen BND. Heute blicken wir erneut auf 70 Jahre zurück. Diesmal auf 70 Jahre Bundesnachrichtendienst als offizielle Bundesbehörde.

Der BND ist aber nicht nur zu solchen Feierlichkeiten im Bürgerhaus präsent. Im Gegenteil: Er wird in beinahe jedes kabarettistische Programm der Künstlerinnen und Künstler, die hier auftreten, eingebunden. Zurecht. Denn wir haben hier im Haus manchmal mit technischen Problemchen zu kämpfen, die schwer zu erklären sind. Da liegt der Gedanke an den großen, abgeschirmten Nachbar mit seinen Störsendern nahe.

In der Küche des ehemaligen Bauamts hatten wir einen Pfefferstreuer, der über Jahre hinweg einfach nicht leer zu werden schien. Als eines Tages die Frage auftauchte, wer den Streuer nachfüllen würde, hielt ein Kollege ihn kurzerhand an den Mund und sagte: „Test, Test – Sie sind uns auf die Schliche gekommen!“ Er erklärte der Runde, dass eine Wanze im Streuer versteckt wäre und immer fremde Männer kämen und für Pfeffer-Nachschub sorgten, damit niemand dahinterkommt.

So und so ähnlich lauten die Witze, über die all die Jahre immer wieder geschmunzelt wird. Ein kleines Augenzwinkern ist also ein wesentliches Merkmal unserer Nachbarschaft.

Aber hinter all diesen Anekdoten steht etwas sehr Ernstes. Der Bundesnachrichtendienst ist hier 1956 in einer Zeit offiziell gegründet worden, in der Europa – und auch Deutschland – geteilt waren. Die Sicherheit der Bundesrepublik hing damals ganz wesentlich auch von Informationen über Entwicklungen jenseits des „Eisernen Vorhangs“ ab.

Und damit sind wir bei dem Datum, an dem wir heute Abend zusammenkommen. Morgen feiern wir den Tag der Deutschen Einheit. Für viele Menschen ist der 3. Oktober vor allem ein Feiertag, an dem man nicht arbeiten muss. Für andere ist er eine Erinnerung an eine Zeit, in der Deutschland tatsächlich geteilt war. Und für manche hier im Raum ist er vielleicht auch Teil einer ganz persönlichen Lebensgeschichte. Und genau an dieser Stelle treffen persönliche Erinnerung, deutsche Geschichte und die Geschichte Pullachs aufeinander.

Hier in Pullach wird seit Jahrzehnten nachrichtendienstliche Arbeit für die Sicherheit der Bundesrepublik geleistet. In dieser Zeit hat Deutschland sich verändert. Europa und die ganze Welt haben sich verändert. Und damit natürlich auch der Bundesnachrichtendienst. Ein großer Teil des Dienstes ist nach Berlin gegangen. Ein Teil ist in Pullach geblieben.

Vielleicht ist das auch ein passendes Bild für eine 70-jährige Nachbarschaft. Sie bleibt nicht gleich, sie verändert sich. Menschen ziehen weg. Neue kommen hinzu. Gebäude verändern sich. Und so hat sich auch diese besondere Verbindung zwischen BND und Gemeinde verändert.

Ich finde es deshalb besonders schön, dass wir heute hier im Bürgerhaus zusammenkommen. Nicht hinter einer Mauer. Nicht an einem geheimnisvollen Ort. Sondern mitten in unserer Gemeinde. Menschen aus Pullach und Menschen aus dem Bundesnachrichtendienst sitzen heute gemeinsam in einem Raum. Heute Abend darf die Nachbarschaft einmal ganz offiziell Nachbarschaft sein. Ein schönes Zeichen für die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte, in denen der BND sich im Rahmen seiner Möglichkeiten geöffnet hat.

Die Arbeit des BND an sich kann natürlich nicht öffentlich sein. Aber die Menschen, die sie leisten, gehören zu unserer Gesellschaft. Und wir als Gemeinde wissen ihre Arbeit für die Gesellschaft sehr zu schätzen. Gerade in einer Zeit, in der Fragen von Sicherheit und Freiheit bedauerlicherweise wieder sehr viel stärker in den Mittelpunkt rücken. Mit den technischen Möglichkeiten haben sich die Bedrohungen verändert. Die Grenzen zwischen Frieden und Konflikt sind komplizierter geworden.

Geblieben ist aber die Verantwortung, Gefahren frühzeitig zu erkennen und einen Beitrag dazu zu leisten, dass unser Land frei, sicher und handlungsfähig bleibt. Dafür sage ich unserem Nachbarn heute ausdrücklich Danke und gratuliere dem Bundesnachrichtendienst im Namen der Gemeinde Pullach sehr herzlich zu seinem 70-jährigen Bestehen. Allen, die heute und in Zukunft Verantwortung im BND übernehmen, wünsche ich Kraft, Erfolg und eine glückliche Hand bei ihrer wichtigen Aufgabe.

Und uns wünsche ich, dass das bestehen bleibt, was sich über sieben Jahrzehnte entwickelt hat: eine gute, respektvolle Nachbarschaft, deren nächste Entwicklungen nicht immer vorhersehbar sind.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen schönen Abend.

Vielen Dank.

2.10.2026