Rückblick: Themenabend „Autofahren im Alter“

Im Rahmen der Welt-Alzheimerwoche hat die Gemeinde Pullach zusammen mit der Alzheimer Gesellschaft zum Themenabend „Autofahren im Alter“ ins Bürgerhaus eingeladen. Die Veranstaltung ist ein weiteres Angebot der Gemeinde auf dem Weg zur sogenannten „Demenzfreundlichen Kommune“.

Die Erste Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund und Jürgen Hoerner von der Alzheimergesellschaft Landkreis München e.V. begrüßten etwa 70 Besucherinnen und Besucher im Bürgerhaus. Diese konnten sich im Vorfeld der Fachvorträge im Foyer an den Ständen verschiedener Beratungsstellen und Akteuren der Altenhilfe informieren. Großen Andrang fanden auch die Stände der örtlichen Optiker und Hörakustiker, die kostenfreie Hör- und Sehtests anboten. An Stationen des Demenzparcours konnte man mögliche Auswirkungen einer Demenzerkrankung aktiv erfahren und dadurch selbst erleben, mit welchen Schwierigkeiten Betroffene im Alltag zurechtkommen müssen. Im Anschluss an den Infomarkt folgten zwei Fachvorträge:

Dr. Jens Benninghoff ist Chefarzt am Zentrum für Altersmedizin und Entwicklungsstörungen am kbo Isar-Amper-Klinikum München-Ost und berichtete über körperliche und kognitive Veränderungen im Alter und deren Auswirkungen auf das Autofahren. Entgegen häufiger Vermutungen zeigen Unfallstatistiken auf, dass der Anteil der Verkehrsunfälle durch ältere Menschen bis 80 Jahre prozentual gesehen deutlich niedriger ist als bei jungen Erwachsenen. Und auch die Art der Unfälle unterscheidet sich stark. Während bei Jüngeren Unfälle durch zu schnelles Fahren und zu geringen Abstand sowie durch Fahren unter Alkoholeinfluss eher typisch sind, haben ältere Menschen häufiger Probleme, mit komplexen und unübersichtlichen Situationen zurechtzukommen, wie an Kreuzungen oder beim Abbiegen.
Dr. Benninghoff empfahl, Fahrten im dichten Stadtverkehr sowie bei schlechtem Wetter oder Dämmerung/Dunkelheit zu vermeiden. Sinnvoll sei es, sich auf Kurzstrecken und Fahrten in bekannter Umgebung zu beschränken, längere Pausen einzuhalten und die Strecke vorab gut zu planen.

Für Angehörige sei es wichtig, das Thema „Autofahren“ mit den älteren Menschen frühzeitig zu besprechen, vor allem bei einer beginnenden Demenz. Dr. Benninghoffs Tipp ist eine simple Frage, die sich Außenstehende selbst stellen sollten: „Würde ich meine Kinder mitfahren lassen?“.

Darüber hinaus empfahl er, die Einnahme von Medikamenten stets mit dem Arzt abzusprechen. Denn auch sie können zu Fahruntüchtigkeit und damit zu Gefahren  im Straßenverkehr führen. Außerdem plädiert er dafür, im höheren Alter die Sehkraft testen zu lassen.

Harald Hofstetter vom Landratsamt München informierte über die rechtlichen Aspekte aus Sicht der Fahrerlaubnisbehörde. Seine Behörde befasst sich mit Fahreignungsprüfungen, beispielsweise wenn eine polizeiliche Anzeige oder eine Mitteilung (etwa von Angehörigen) über Fahreignungszweifel eines Führerscheininhabers vorliegt. Hinweise könnten Unsicherheit beim Abbiegen, zunehmende Missachtung von Verkehrszeichen, wiederholte Parkrempler mit Unfallflucht oder auch das Auftreten von unbekannten Unfallschäden am Fahrzeug sein. Hofstetter empfiehlt Angehörigen, bei Zweifeln an der Fahreignung das Gespräch mit dem Betroffenen zu suchen, unter Umständen auch gemeinsam mit dem Hausarzt. Zudem gibt es bei sogenannten Begutachtungsstellen für Fahreignung die Möglichkeit eines freiwilligen Eignungstests. Der letzte Schritt wäre schließlich die Meldung bei der Fahrerlaubnisbehörde. Sollte die Fahrerlaubnis nach intensiver Prüfung  entzogen werden, sollten Angehörige die Nutzung des Fahrzeugs unmöglich machen, also beispielsweise den Autoschlüssel einbehalten.

Die genauen Erläuterungen und vielen Tipps kamen bei den Zuhörern gut an. Die Gemeinde Pullach bedankt sich herzlich bei den beiden Referenten sowie allen Ausstellern für den gelungenen Infomarkt. Wir hoffen, dass alle Besucherinnen und Besucher viele Informationen zum Thema „Autofahren im Alter“ für sich und die Situation ihrer Angehörigen mit nach Hause nehmen konnten.