15 Jahre Hospizverein Isartal

Dank und Anerkennung für die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer

Der Besuch bei Geburtstagen ist fester Bestandteil meiner Tätigkeit als Bürgermeisterin. Das Jubiläum, bei dem ich vor kurzem ein Grußwort halten durfte, war ein besonders beeindruckender Anlass: Die festliche Veranstaltung zum 15-jährigen Bestehen des Hospizvereins Isartal. 17 ehrenamtliche Hospizhelfer gehören ihm mittlerweile an, 15 Frauen und zwei Männer. Sie begleiten jedes Jahr zwischen 20 und 40 Menschen vor allem aus den Altersheimen in Pullach und Grünwald auf ihrem letzten Weg. Sie müssten sonst vielleicht ganz allein, ohne einen vertrauten Menschen sterben.

Seit sie fremden Sterbenden die Hand hält, mit ihnen spricht oder mal singt, geht Dagmar Bergmann-Erb, wie sie berichtete, mit ihrem eigenen Leben achtsamer um. Gedanken an unsere Vergänglichkeit – an die von geliebten Menschen genauso wie an unsere eigene – verdrängen wir nur zu gerne und leben unseren Alltag. Kindergarten, Schule, Arbeit – unser Leben ist gut gefüllt mit den vermeintlich wichtigen Dingen des Lebens. Wer setzt sich da schon gerne mit Krankheit und dem Tod auseinander? Dabei bedingen sich Leben und Tod, gehören untrennbar zusammen. Und: „Niemand kennt den Tod, und niemand weiß, ob er für den Menschen nicht das allergrößte Glück ist.“ Ein provokantes Zitat des griechischen Philosophen Sokrates, wie ich finde, das aber auch ein wenig hoffen lässt.

Was wünscht man sich für das eigene Sterben? Viele möchten in ihrer gewohnten Umgebung sterben, umsorgt von geliebten Menschen. Der Tod in einem Krankenhaus oder Pflegeheim? Das verbindet man doch eher mit Einsamkeit und Alleinsein auf seinem letzten Weg. Aber oftmals fehlen Angehörige oder sind mit der Pflege überfordert, es entstehen häufig schwierige, nicht mehr zu meisternde Alltagssituationen. Hier setzt die Arbeit der Hospizvereine an. Es ist ihr Anliegen, zu helfen, aber auch die Einstellung zu Tod und Sterben wieder „gesellschaftsfähig“ zu machen, dem Tod und der Trauer wieder Einlass zu gewähren und die Menschen nicht allein zu lassen. Denn Schwerstkranke haben besondere Bedürfnisse: körperlich, aber auch sozial, psychisch und spirituell.

Es war meine Vorgängerin Sabine Würthner, die das Ganze ins Rollen brachte. Sie verfolgte aufmerksam, wie sich in München die Hospizbewegung langsam formierte. Dann lud sie eine der damals federführend Aktiven ein, bei uns einen Vortrag zu halten. Es war Gustava Everding, die Frau des Intendanten. Es dauerte nicht mehr lang, und zehn Engagierte gründeten den Verein. Sie mussten sich dann freilich erst einmal schulen lassen, etwa 100 Stunden dauert die Ausbildung zum Hospizhelfer.

Heute stellt der Hospizverein mit seiner Vorsitzenden Sabine Würthner einen wichtigen Baustein in unserem Gemeindeleben dar. In enger Zusammenarbeit mit den Kirchen, mit Ärzten, Pflegepersonal und Altenheimen im Isartal wird Unterstützung organisiert. Das gesamte Team, dem ich herzlich danke, hat dafür meine ganz persönliche, große Anerkennung. Denn ich kann mir denken, dass oft auch sehr schwierige Situationen zu meistern sind.
Eine derer, die sich besonders verdient gemacht haben, ist Mechthild Reinhardt. Sie ist eigentlich Krankenschwester von Beruf, außerdem engagiert sie sich in besonderer Weise für Senioren. Sie hat den Mittagstisch eingeführt und kümmert sich um den Seniorennachmittag. Beim Hospizverein war sie von Anfang an dabei. Auf der Gründungsversammlung 2002 wurde sie zur Beisitzerin gewählt worden und übernahm 2006 den Aufgabenbereich der Koordinatorin. Seit 15 Jahren begleitet sie Menschen auf ihrem letzten Weg. Frau Reinhardt hat erzählt, dass sie manchmal mit den Betroffenen, die ihre letzten Stunden, Tage oder Wochen durchleben, einfach auch nur mit atmet. „Auch das verändert schon die Atmosphäre im Raum“, sagt sie.

Es grüßt Sie herzlich
Ihre Susanna Tausendfreund
Erste Bürgermeisterin

02.11.2017